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Prinzessinnen-Puzzle

Vor einer Woche äußerte sich Germaine Greer in einem Interview mit Newsweek Europe zu Herzogin Kate.  Sie findet, die Prinzessin hat einen Sch**** – Job. Nicht einmal Einrichtungsentscheidungen für ihr eigenes Haus darf sie allein treffen. Im Grunde genommen, geht es der Welt nur um ihren Bauch und ihr Äußeres.  Die Herzogin ist viel zu dünn. Man hätte sie nicht so früh zur erneuten Schwangerschaft nötigen sollen. Die junge Frau sei intelligenter als die ganze royale Familie zusammen & solle sich wehren, um ihr eigenes Leben in die Hand zu nehmen.

Im vergangenen Jahr stieß die Bestsellerautorin Hilary Mantel in eine ähnliche Kerbe, als sie in einer Rede Kates Barbiepuppen-Image, welches nur auf Körper & Klamotten fußt, kritisierte.  Ich gehe davon aus, dies sind alles Außenbeobachtungen und keine der beiden hat am königlichen Ehebett gesessen, als die Entscheidung über die erneute Schwangerschaft fiel. Oder Kate auf die Waage gestellt. Oder Intelligenztests durchgeführt.

Prinzessin-sein empfinde ich persönlich auch nicht als erstrebenswertes Lebensziel, weder in der Disney-Version noch im wahren Leben. Es fällt ungefähr in die gleiche Kategorie wie  First Lady, worüber ich schon einmal geschrieben habe.  Und dass man durch Einheiraten in das englische Königshaus per se schon einmal die Sympathien und das Mitleid der Untertanen sicher hat, ist auch nicht verkehrt. Es ist schließlich noch nicht so lang her, da jubelten diese noch dem regelmäßigen Köpfen von ausgemusterten Gattinnen zu.  Das heißt ja irgendwie, wir haben ein Bewusstsein dafür, dass das Leben in dem Laden unter strenger Regentschaft schwierig ist.

Im englischen Königshaus geht es hoch konservativ zu, nicht nur rollen-konservativ. Ehrlicherweise erwarte ich nicht, dass man sich hier in absehbarer Zeit reformiert (und Kate ihr Kunstgeschichtsstudium nutzt & eine kleine Galerie eröffnet.)  Und auch wenn die Vorstellung einer Jeanne d’Arc artigen feministischen Revolution einer einzigen Frau gegen jahrtausendealte Rollenbilder ihren Charme hat… wird  es wohl so schnell nicht passieren.

Unter anderem auch, weil die Zwänge, denen Prinzessinnen ausgesetzt sind, ihre Wurzel nicht nur in den bösen Königshäusern und ihren verstaubten Vorstellungen haben. Die Medien befeuern antiquierte Ideen nämlich kräftig mit. Gerade was Körper & Mode betrifft. Versuchen wir uns mal an diesem kleinen Berichterstattungspuzzle. Welche Aussage gehört zu welcher Prinzessin & Prinzessin in spe?

Prinzessin Puzzle

Schwierig, oder? Die sind ja irgendwie alle gleich. Eben.

Und noch etwas fällt auf. Kleidung lässt scheinbar immer einen Rückschluss auf  Laune & Gemütszustand zu – sogar auf die Persönlichkeit im Ganzen. Gut, vielleicht liegt das eben in diesem Sch****-Job begründet. Komisch, dass sich so etwas dann nicht zu den Prinzgemahlen dieser Welt findet.  Ist es also der Job & seine Zwänge an sich oder das was der Boulevard und die Mainstreammedien daraus machen? Jedes Outfit wird kommentiert und mit einem Shoppinghinweis zum Nachmachen versehen.

Kleider machen Leute  ist kein neuer Spruch, aber bei Prinzessinnen schlägt er gnadenlos zu. Und…je öfter solche Bezüge wiederholt werden, je öfter uns suggeriert wird, wir könnten eine Person über ihre Kleidung entschlüsseln, desto mehr verfestigt sich das Muster. Und desto häufiger kommen immer neue Artikel  zum Outfit, weil man ja annimmt, über die Kleidung etwas über den Menschen erfahren zu können.

Natürlich geht das Ganze in zwei Richtungen. Die Prinzessinnen werden mithilfe der Kleidung sicher auch bewusst inszeniert. Aber genauso dankbar wird es aufgenommen & permanent über das Äußere berichtet & eingeschätzt. So spielt man schön mit bei der Normierung und verkauft diese dann nicht selten als Traumbild.

Ein bisschen Hoffnung macht da eine Umfrage. Die wenigsten Frauen in Großbritannien wollen wie Kate sein. Perfektes Aussehen als höchstes Glück funktioniert vielleicht nicht mehr so richtig, wenn man im Märchen in rosa-rot den gleichen Beautyansprüchen unterworfen ist wie in der Realität in grau.

Foto: „Senior citizens‘ Valentine’s Day Dance, 1973“ by Seattle Municipal Archives – Flickr: Senior citizens‘ Valentine’s Day Dance, 1973. Licensed under Creative Commons Attribution 2.0 via Wikimedia Commons

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