Kinder & Küche
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Oh, magische Haushaltshelferlein!

Seht es mir nach, ich mag mit dem heutigen Thema ein bisschen spät dran sein. Aufgrund von Baby und Elternzeit sozialisiere ich wieder vermehrt in Mütterkreisen und hier schlug mir in letzter Zeit die schiere Wucht der Begeisterung für den Superapparat mit der Thermik im Namen entgegen. Die Zaubermaschine ist sehr teuer und ein kleines Wundertier. Sie erlaubt es ihrem Besitzer oder Besitzerin, einen bunten Strauß an Zutaten in die technisierte Schüssel zu werfen, den Deckel zu schließen und eine halbe Stunde später steht das 3-Gänge-Menü bereit. Deshalb wird sie mindestens genauso liebevoll besprochen und angepriesen wie das eigene Kind. Was wenig verwundert. Immerhin handelt es sich hier ebenfalls um ein echtes Investment, dessen Rendite aber sehr viel schneller und verlässlicher sichtbar wird.

Wer dem Treiben einige Wochen zusieht, dem wird schnell klar, dass es sich hierbei um einen Virus handelt. Wie jeder gute Virus braucht auch die Supermaschine einen Wirt, der sie einschleppt, um sich dann schnell und effizient zu verbreiten. Effizienz und Schnelligkeit sind sowieso die großen Wörter. Glaubt man den weiterverbreitenden Infizierten, übernimmt der T-Virus so gut wie alle Funktionen seines Wirtes, der sich quasi selbst abschafft. Die Erzählung geht dann ungefähr so: kochen (und Hausarbeit im Allgemeinen) ist doof, aber hiermit geht es superschnell und einfach.

Das ließ mich verwundert zurück. Bisher hatte ich den Eindruck, dass man als emanzipierte Frau zumindest ungern kocht. Schließlich ist die Küche der Ort alter Rollenklischees. Man freut sich, gern öffentlich, über den Ehemann oder Partner, der zu Hause die Nahrungsversorgung übernimmt: „Bei uns kocht mein Mann. Aka, schaut her, er macht seinen Teil der Hausarbeit.“ Kochen ist tatsächlich eine Tätigkeit, die Männer inzwischen häufig im Haushalt übernehmen. Im Gegensatz zum klassischen Putzen (Bad & Toilette, anyone?). Aber ich will nicht noch einen Verteilungskampf-Text schreiben. Ich will nicht anfangen zu diskutieren, ob alle Mahlzeiten durch den Träger des XY-Chromosom zubereitet werden oder nur die obligatorischen Wochenendessen. Und wer abwäscht.

Viel interessanter finde ich, dass ich kaum Männer kenne, die die Zauberküchenmaschine so loben wie Frauen. Der T-Virus ist mir nicht zuerst in Babykursen begegnet, sondern bereits vorher bei Kolleg*innenmittagessen und Abendeinladungen. Eines scheint zumindest interessant. Kochende Männer besprechen ihre Kochleidenschaft durchaus gern. Ich habe schon diversen männlich initiierten Gesprächen über das perfekte Steakthermometer beigewohnt. Die Effizienz der Supermaschine habe ich sie aber noch nicht preisen hören. Mag das daran liegen, dass Haushalt im Ganzen Frauensache ist? Und wenn man das ganze Paket zu schultern hat, geht es nicht mehr darum, ob man Rosmarin zupft oder schneidet sondern darum, möglichst schnell (oder überhaupt) fertig zu werden?

Die Geschichte der Haushaltshelferlein ist sowieso eine Geschichte voller Missverständnisse. Die Technisierung des Hauses trug dazu bei, eine neue Welt für Frauen zu öffnen. Manche argumentieren, die Waschmaschine hätte genauso viel zur Emanzipation beigetragen wie die Pille. Häuslichkeit wurde, zusammen mit den Veränderungen der kulturellen Erwartungen, eher eine Wahl als eine Notwendigkeit. Vor dem Aufkommen von Kühlschränken, Kochherden oder Essen in Dosen, verbrachten Frauen Stunden um Stunden in der Kücheneinsamkeit (unterhaltsam aufbereitet in der BBC-Doku Back in Time for Dinner. ) Wer keine Kühlmöglichkeit besaß, war beispielsweise auch gezwungen, jeden Tag frisch einzukaufen.

Mit dem Erscheinen von Haushaltshelfern, Tiefkühltruhen und Fertiggerichten wurde die Arbeit in der Küche nicht nur körperlich weniger anstrengend sondern auch weniger zeitintensiv. Und bereitete so den Weg für mehr freie Zeit. Warum diese nicht außerhalb des Hauses nutzen, ein paar Stunden arbeiten gehen?

Hier liegt er, der Geburtsfehler der Doppelbelastung. Die Möglichkeit, außerhalb des Hauses zu arbeiten, wurde eröffnet durch die Vereinfachung  und Beschleunigung der Haushaltstätigkeiten. Die Verantwortung lag jedoch weiterhin bei der Frau. Die Frage nach einem gleichberechtigten Aufteilen lag noch in weiter Ferne. Werbung und die Frauen selbst sprangen auf den Effizienzzug auf. (Was sollten sie auch anderes tun?) „Hier, ich habe einen Tipp, so geht es schneller, aber immer noch genauso gut, sauber und geordnet wie vorher.“ sagen Frauen gern zueinander. In der Werbung, aber auch von Angesichts zu Angesicht oder in Massen an Ordnungs- und Putzliteratur, die uns beibringen, T-Shirts zu rollen, um Bügeln zu vermeiden. Ein bisschen wie bei der Zauberküchenmaschine, oder? Selten sagen wir: „Es geht eben nicht so gut, sauber und geordnet.“ Weil der Tag nur 24 Stunden und man im Leben nur eine Kraftreserve hat. Noch seltener sagen wir: „Wieso rechtfertige ich mich eigentlich und mache mir allein Gedanken?“

Der Text hätte leicht eine Satire werden können. Aber wenn Frauen in den Kanon der Einfachheit einstimmen und Küchenmaschinen loben, ist das keine Dummheit und auch keine Angeberei  oder lächelnde Rückschau in die 50er von retrobewegten, faulen Prenzlauer Berg – Müttern. Ich glaube, es ist einfach nur Müdigkeit. Es ist der verzweifelte Versuch, ein Leben, in das viel zu viel reingepackt wird, noch effizienter zu machen. Es irgendwie am Laufen zu halten.

Foto: flickr – KimmiK – CC by 2.0

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18 Kommentare

  1. Als Träger des XY-Chromosom hätte ich dann doch gerne gewußt, wie diese Zauberküchenmaschine mit der Thermik im Namen heißt. Ich bin Selbstversorger, nachdem mich meine letzte Küchenmaschine im Stich gelassen hat. Die, nicht dass Sie denken, ich sei Chauvinist, nicht weiblichen Geschlechtes war.

    • Zunächst, vielen Dank für das Lob auf dem eigenen Blog! bin ganz gerührt. Zur Frage, wenn ich „Küchenmaschine mit T“ bei google eingebe, komme ich genau hin. Was mich auch interessiert, woran erkenne ich denn das Geschlecht von Haushaltsgeräten? Womöglich halte ich hier einige Apparaturen gar nicht artgerecht!

      • Thermomix, hm. Keine Ahnung, ob Küchengeräte primäre Geschlechtsmerkmale haben. Ist im Zeitalter des Gender Mainstreaming aber sicher unerheblich. Mein obiger Satz diente der Vorbeugung einer eventuellen Mutmaßung, ich könnte mit „Küchenmaschine“ eine Freundin meinen, die mich verließ. Ich besaß einmal eine Küchenmaschine mit K. Und weine ihr nach. Um genauer zu sein, Trauer als seelische Verwundung empfand ich erst, als sie von mir ging. Und wenn ich noch etwas anfügen dürfte: Ich finde Ihren Blog grandios. Auch wenn diese Feststellung vom Thema abweicht.

  2. Puh, die besagte Küchenmaschine wurde mir neulich noch von einer Gruppe Kindergartenmamis angepriesen… der vierstellige Preis wurde verschwiegen. Am Ende des Gesprächs hieß es dann aber von vielen „Naja, seit ich keine Babynahrung mehr zubereite, steht er eigentlich nur rum…“

    Wie immer – wie öde, sorry, geht aber nicht anders – stimme ich dir in allem zu. Irgendwie sind viele Frauen permanent auf der verzweifelten Suche nach dem Wundermaschinchen, der Taktik oder Technik, das alles einfacher macht und die Familie trotzdem gesund ernährt/versorgt/reinigt. Um dem idealen Bild als Frau und Mutter zu entsprechen oder wenigstens näher zu kommen.

    • 😘 Du darfst mir immer zustimmen. (Aber natürlich auch gern widersprechen!) Ist schon verrückt, oder? Wie sehr man versucht, dass offensichtliche „Geht nicht.“ doch irgendwie hinzukriegen und sich über jeden kleinen Erfolg freut. Hatte das Erlebnis gerade mit einem neuen Badreiniger.

  3. Ich besitze auch so ein T-Dingens, habe aber aus Protest ein uraltes Teil bei ebay gekauft. Eigentlich ist das schon sehr praktisch, wenn man sich einmal mit dieser Art des Kochens auseinandergesetzt hat. Und auch, wenn ich staune, was so eine Vorführfrau auf so einem Vorführabend im Handumdrehen alles köchelt, habe ich immer noch Schwierigkeiten, den Topf ordnungsgemäß in die Halterung einzuklicksen.
    Mit anderen Worten: Ich benutze es viel zu wenig.
    Aber der Hefeteig wird super im T-Ding!
    LG
    Sabienes

    • Wäre ja gelogen, wenn ich nicht auch liebäugeln würde. Aber ich glaube, es wird dann ähnlich wie bei dir, man bleibt doch auf seinen eingetretenen Kochpfaden und es staubt in der Ecke.

  4. Ich bin tatsächlich in so einer „Mann kocht, Frau putzt das Klo“-Beziehung. Allerdings putzt der Mann auch die Küche – ich finde Küchendreck fies (gammlig riechenden Küchenmülleimer saubermachen, Hölle!), er Klodreck. Andersrum macht es uns nix aus – passt perfekt!

    Natürlich haben wir noch keine Kinder – mal sehen, was sich dann ändern wird. Ich hoffe ja, dass das zumindest auf die Putzaufteilung keinen Einfluss haben wird …

    • Küchendreck entfernen qualifiziert sich eindeutig als Putztätigkeit :-). Hab mich gefreut, mal wieder einen Kommentar von dir zu lesen.

  5. Ich koche sehr gerne und besitze keine zeitsparende Küchenmaschine – jetzt frage ich mich, ob ich entweder nicht emanzipiert oder gar ein Mann bin 🙂

    Glg Uli

    PS dein Blog liest sich wunderbar, ay laik 🙂

  6. Martina sagt

    Ich war genauso kritisch. Nachdem das Ding nun bei uns wohnt geb ich es nicht mehr her. Und der Mann im Haus steht auch auf das T-dingens, gibt das aber nur noch im Familienkreis zu, nachdem er von Geschlechtsgenossen deswegen belächelt und veräppelt wurde.
    Aber von dem Hersteller gibt es auch einen Staubsauger der wischen kann – das Teil ist sein Geld in Form gesparter Zeit echt wert!
    LG Martina

  7. Daniela Röder sagt

    Habe mich ja bewußt gegen das viel gelobte T-Küchengerät entschieden (und dafür ein ebenso teures von einer anderen Mark gekauft – was aber von mir und auch vom Mann oft hergenommen wird).
    Leider kocht und backt das Ding dann doch nicht von allein und reinigen tut es sich auch nicht selbst, so dass es nur bedingt beim Problem der Vereinbarkeit von allem hilft. Aber naja, heute hatte es den Hefeteig geknetet während ich das Kind vom Freund abgeholt hab. Is doch schon mal was.
    In Marokko kann man seinen gefüllten Topf (Tajine) übrigens morgens zu einem Koch bringen und abends fertig wieder abholen. Das wäre doch mal was …

    • Das mit dem Topf klingt super. Wäre das nicht eine Idee für gestresste Großstädter :-), die Kochkisten funktionieren ja auch.

  8. Ich habe auch so ein T-Gerät, ein ganz altes, das ich von der Schwiegermutter in spe geschenkt bekam, weil sie sich ein (nein, zwei!) neue gekauft hat (kostet ja nichts…) Ich benutze es so gut wie nie, außer wenn ich Dips etc zubereite, die sehr fein püriert werden müssen. Sonst steht er in der Ecke und fängt Staub.

    In meinem Freundeskreis gibts sehr viele Mädels, die auch einen T haben, ganz ohne Kinder. Das ist, wenn man es böse formulieren will, die Fraktion, die sich das Teil gekauft hat, als sie von zuhause ausgezogen ist und somit nie gelernt hat „richtig zu kochen“. Vielmehr fungiert das hier bei uns aber als Statussymbol und jedes Mal, wenn eine was selbstgemachtes auf einen Geburtstag o.ä. mitbringt, kommt die Frage „Hast du das mit dem T. gemacht??“ Von mir aus kann jeder kochen, wie er will, aber bei den Mädels, die ich kenne, ist der Besitz des T. auch immer mit ner Spur Arroganz oder einem Gefühl der Überlegenheit verbunden und das nervt mich extrem.

    Ich kann die Begeisterung für den T. nicht ganz verstehen. Ich koche gerne, ich schnippel gerne und ich rühre gerne im Topf rum. Übrigens gemeinsam mit meinem Freund, der danach immer den Abwasch erledigt 😉 Aber vielleicht hab ich auch einfach zu viel Zeit 😀

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