Promis & Diäten, Schönes & Banales
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Nachklapp zu Diäten und Co.

Bevor morgen ein cooler, ein bisschen anderer Gastbeitrag erscheint und ich schon gespannt bin, wie ihr ihn findet, schreibe ich jetzt doch noch schnell einen kleinen Nachtrag zu meinem Diättext. Der Text ist der meistkommentierte auf dem Blog und ich habe noch nie so viele E-Mails zu etwas erhalten, was ich geschrieben habe. Darunter waren auch die meisten unangenehmen bis beleidigenden E-Mails in den drei Jahren.

Die wohlwollenden Mails und Kommentare erklärten mir und anderen Leserinnen, dass es doch etwas gibt, was ich unternehmen könne und ich nicht unglücklich bleiben müsse. (Das Ganze erinnerte mich vom Ton her an alte Tamponwerbungen, wo eine Frau der anderen verstohlen etwas herüber schiebt: „Hier, so muss man doch nicht leben. Man kann auch schwimmen gehen.“) Die Mails mit dem schärferen Ton identifizierten mich treffsicher als „der Fressfaulheit erlegen“, „lethargisch“ oder „kapitulierend vor meiner eigenen Willensschwäche“. Auch die Charakterisierung „fettes, faules Schwein“, die ich glaubte, auf dem Schulhof gelassen zu haben, scheint wieder im Kommen zu sein.

Ich könnte mich lächelnd zurücklehnen und in meiner Größe 38 denken „Haha, die haben wohl nicht zu Ende gelesen, ich bin ja schlank und habe gar kein Problem.“ Aber erstens denke ich nicht mehr in dieser Problemkategorie und zweitens glaube ich, wenn Frauen so aufeinander losgehen, haben wir eben doch ein Problem. Natürlich kommt hier schnell Persönliches ins Spiel. Ich bin die Letzte, die sich davon frei macht, dass unsere Biografie unsere Einstellung zu Themen beeinflusst. Auch meine Einstellung zu Diäten ist eine gewachsene.

Ich wusste, dass die meisten Menschen bestimmte Ernährungs- und Gesundheitsregeln befolgen, Dinge essen, die ihnen nicht schmecken, weil sie sich etwas davon versprechen oder sich etwas versagen. Außerdem schreiben wir Individualität in allen Lebensbelangen ganz groß, aber beim Gewicht und Abnehmen glauben wir gern daran, dass es eine Regel gibt, die für alle gilt. Und hier kommt „Fettlogik“ ins Spiel, denn in 90% aller Mails fand ich Argumentationen, die mir bekannt vorkamen. Buch und Blog und Bewegung scheint nämlich etwas zu tun, was mir schon oft am Rand begegnet ist, sich aber jetzt anhand dieses Textes wieder zeigte.

Angeboten wird eine einfache Regel und mitgeliefert wird das Angebot an Besonders-Sein bis hin zu einem gewissen Überlegenheitsgefühl. Denn ich habe es geschafft! (Ich mache auch keine Grapefruit-Diät aus einer Frauenzeitschrift, die sowieso nichts bringt, sondern etwas Richtiges, zudem noch wissenschaftlich Fundiertes.) Und alle anderen wollen das auch, sind also jetzt irgendwie neidisch und wollen mich davon abhalten. (Weshalb sie mir auch einflüstern, ich werde langsam sogar zu dünn – siehe beispielsweise die Galerie auf der Blogseite).

Insofern hat sich „Fettlogik“ super positioniert, indem es eine alte Diätlogik für eine neue Zeit aufbereitet und Social Media clever nutzt. Hier bin ich, eigentlich ein Faß ohne Boden, ein Körper, in dem eine traurige Dicke wohnt, die die Führung übernimmt, wenn ich nicht aufpasse. Deshalb muss ich Essen in gut und böse teilen, das eigene Selbst, den eigenen Willen auf die eine Seite stellen und das Essen auf die andere. Hier ist der Feind, den wir kategorisieren, abwiegen und reglementieren müssen. Das ist hart, klar, aber wenn ich es geschafft habe, bin ich schon irgendwie stolz und besonders.

Ich habe das Buch gelesen und ich weiß, dass es jetzt einigen in den Fingern juckt, weil es ja um die Gesundheit ging. Gesundheitliche Gründe gibt es, aber wenn sie die gleichen Erfolgsgeschichten und Narrative verkaufen wie jede andere Diät auch, habe ich damit ein Riesenproblem. So einfach ist das und so wird das Thema Diäten zum verminten Gelände. Insbesondere, wenn man ihre Wirkung und das Kalorienzählen anzweifelt. Oder die Tatsache, dass dünn nicht automatisch fitt und gesund bedeutet (oder den Umkehrschluss, dass Dick-sein nicht automatisch krank macht). Damit verlieren wir langfristig Empathie gegenüber anderen und auch gegenüber Krankheiten. Denn es kann eben jede etwas ändern, wenn sie nur will. Unser Körper ist ja scheinbar eine leicht zu lesende und mit ein bisschen Willenskraft effektiv zu steuerende Maschine.

Allen, die sich dank „Fettlogik“ besser fühlen und denen es geholfen hat, herzlichen Glückwunsch. Ich wünsche euch, dass ihr es wirklich genießen könnt und nicht die Mentalität mitgenommen habt, die mir und manchen anderen bei so vielen Fettlogik-Anhängerinnen entgegenschlägt, die mich „faule Sau“ und „willensschwach“ nannten und vermutlich auch das Gleiche über Menschen mit mehr Kilos als sie selbst denken, wenn sie ihnen im richtigen Leben begegnen.

Da ich aber einen Blog darüber schreibe, wie sich gesellschaftliche Überzeugungen zu Körper und Schönheit formen, macht es mich mehr als nur traurig, wenn eine Krankenkasse herausfindet, wie Dicke und Fettleibige gesehen werden, nämlich als unästhetisch, faul und tata, willensschwach. Oder wenn gestern Bloggerin Journelle auf ihrer Facebookseite schreibt, dass ihre Tochter wegen ihrer wunderschönen Arme gehänselt wird. Wir haben Panik vorm Dicksein. Dicksein bedeutet anscheinend, nicht geliebt zu werden. Und wer will nicht geliebt werden? Bücher wie „Fettlogik“ und die Glorifizierung von Willensstärke, Selbstkasteiung und Diäterfolg schürt diese Angst mit. Aber wir alle kennen auch Menschen, die mit dieser Sichtweise auf ihre Körperfülle zu kämpfen haben. Vielleicht sind wir eine von ihnen. Aber auch wenn nicht, können wir uns doch zumindest vorstellen, wie es dieser Person geht, wenn sie denkt: „Mein Körper ist ein Versager, da stimmt etwas nicht mit ihm.“ Warum sollten wir also nicht allein schon wegen ihnen eine neue Betrachtung des Dickseins zulassen? Warum funktioniert bei so vielen Fettlogik-Anhängerinnen Motivation nur über Abgrenzung?

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30 Kommentare

  1. Liebe Corinne, deinen Beitrag fand ich ja schon sehr gut, deine Moderation der Kommentare noch besser. Du hast ein ausgewiesenes Talent dafür, den richtigen Ton zu treffen: freundlich aber bestimmt.

    Ich begreife ebenfalls nicht, weshalb die Fettlogik-Jüngerinnen inkl. Nadja Herrmann sich eines derart verächtlichen Tons befleißigen, wenn sie sich auch nur mit dem Hauch einer anderen Meinung konfrontiert sehen.

    Die Bloggerin Nicola Hinz hat sich ebenfalls mehrfach (und wie ich finde: sehr klug) mit der Autorin des Buchs auseinandergesetzt:
    http://candybeach-editorial.blogspot.de/2017/05/nachgetragen.html

  2. Gut zusammengefasst, Danke! Der Ton, den die Diätbegeisterten in der Debatte anschlagen, irritiert mich sehr – wenn das alles wirklich so prima ist und man sich so wohlfühlt, dann könnte man doch einfach die anderen dick sein lassen, mal überspitzt gesagt. Aber dieser missionarische Eifer, diese Abwertung der anderen, woher kommt das? Mir kommt das reduzierte, kontrollierte Essen von Sachen, die nicht schmecken, manchmal wie eine Selbstbestrafung vor, die per social media zelebriert wird. Und wenn schlanke Frauen ihr weiteres Abnehmen damit begründen, sie hätten das Gefühl, sie seien „zu viel“, dann denke ich, dass da noch eine ganz andere Problematik dahintersteckt, die sich in dieser Formulierung zeigt.

  3. drehumdiebolzeningenieur sagt

    <3
    Danke, dass du es immer wieder schaffst, meine eher diffusen Gedanken in so wohlformulierte Sätze zu gießen!
    Mein Blogpost zu dem Thema war der zweitmeistgeklickte Artikel auf meinem Blog und der am kontroversesten diskutierte und ich fand es erschütternd, dass dieses Thema soviel wichtiger zu sein scheint als viele andere Themen, die mir eigentlich viel mehr am Herzen liegen. Ich habe keinen Nachklapp geschrieben, weil ich meine Energie ganz ehrlich in wichtigere Dinge stecke als mich mit 20 verschiedenen individuellen Rechtfertigungen für das Nachrennen eines Trends auseinander zu setzen und mir absurde Unterstellungen anhören zu müssen.

  4. ah, btw.: frauen, die frauen fertig machen: https://fraujule.blogspot.de/2016/03/von-frau-zu-frau.html
    ich könnte kotzen, jedes mal. irgendwie müssen wir dieses stand together einfach noch lauter rausschreien und uns nicht mit perfekt manikürten fingernägeln die falschen wimpern gegenseitig aus dem gesicht kratzen. ich verstehe nicht, was daran so schwer sein soll, sich einfach mal die hände zu reichen und anzuerkennen, was jede einzelne ist/verkörpert. fürs sein kritisieren geht nicht, das tun ist das, an dem man zweifeln sollte. danke für deinen text.
    liebe grüße,
    jule*

  5. Vielen Dank für deinen Nachtrag. Vielen Dank. Ich bin froh, dass du das schreibst, denn du machst das klar und freundlich und bestimmt – ich würde das nicht hinbekommen.

    Ich frage mich natürlich, ob du das so klar und freundlich hinbekommst, weil die persönliche Betroffenheit in einer „normalen“ Kleidergröße nicht so groß ist. Als „große Größe“ bin ich den ganzen Scheiß seit Jahrzehnten gewohnt und vor allen Dingen gewöhnt, es persönlich zu nehmen. Genau diese Verletzungen führten früher oft zu einem Frust und einer Scheiß-Egal-Haltung, die mich möglicherweise noch dicker machten. Ich war, so sagte man mir, selbst schuld und gerade dadurch fühlte mich alleine. Kein Wunder, dass ich nicht geübt darin bin, die rechten Worte zur passenden Zeit parat zu haben! Genau deswegen brauchen wir einen Freundinnen-Umgang miteinander, diejenigen, die gerade nicht angeschossen auf dem Feld liegen, müssen den Ball weiter in die richtige Richtung bewegen. Solidarität ist das Stichwort und zur Seite stehen. Wenn wir unsere Unterschiedlichkeit wertschätzen können, dann ist uns das möglich und ich danke dir dafür, dass du wie eine Freundin aus deiner Position Worte für etwas findest, das mich berührt, mich aber oft stumm macht.

    Obwohl ich meinen Körper nicht mehr als Problem empfinde, sehe ich die öffentliche Beschäftigung mit Körper als ein großes Problem und damit wird es dann doch wieder ein Problem für mich. Ich empfinde es als frappierend, dass eine Beschäftigung mit dem Thema Körper und Diäten nur emotional geht und wie sehr Menschen das Gefühl in diesem Zusammenhang dafür verlieren, was freundliches Benehmen ist. Es tut mir leid, dass du auch solche Mails bekommen hast – ich kann es mir nur zu gut vorstellen und wünsche das keiner.

    Mir ist nicht klar, wo der Ehrgeiz der Anhängerinnen des Fettlogigbuchs liegt. Als ich das letzte Mal viel abgenommen habe, wollte ich zwar auch sofort zur Ernährungsberaterin umschulen, doch dieser Wunsch hielt nur ein paar Wochen, bis ich beschloss mich wieder mit den wichtigen Dingen in meinem Leben zu beschäftigen. Für mich wurde die Ernährungsumstellung normal (und ist es immer noch) und trotzdem wurde ich wieder dick, weil ich die Askese nicht durchgehalten habe. Jetzt bin ich zwar dick, habe aber Zeit mich Dingen zu widmen, die mir wichtig sind – bei mir ist das eben nicht Sport an mehreren Tagen der Woche. Diejenigen, für die Sport wichtig ist, mögen das tun. Warum auch nicht?!

    Was mich stört ist der Ablasshandel, der meines Erachtens durch das Tracking größer geworden ist. Wie oft habe ich in meinem Leben schon Kalorien, Fetteinheiten, Trainingsminuten und geschwommene Bahnen gezählt – das ist nichts Neues. Und natürlich habe ich auch Ablasshandel betrieben, gerade dann, wenn ich an das Ende einer Abnehmphase kam und auch endlich mal wieder ein Bier trinken oder ein Eis essen wollte. Ich wollte zurück ins normale Leben und bezahlte mit Sport. Leider hat mich der Sport zeitlich von anderen Bereichen meines normalen Lebens isoliert und der Tag nur 24 Stunden, so dass ich irgendwann mit dem Ablasshandel aufhörte. Ich frage mich allerdings, wann ich wieder mit dem Ablasshandel beginne: wenn die Krankenkasse droht, mich nicht mehr zu versichern, wenn ich Trackingergebnisse zukünftigen Arbeitgebern vorzeigen muß oder wenn Trackingdaten mein Steuervolumen bestimmen? Ich glaube früher oder später müssen wir alle in diesen Ablasshandel einsteigen, wenn nicht irgendwann ein Bewusstsein dafür entsteht, dass das unser Leben zwar berechenbarer aber möglicherweise nicht lebenswerter im Sinne unserer Werte macht.

    Es ist ein verdammt schwieriges Thema und weil ich so betroffen bin, kann ich nicht auf die Analyse-Ebene gehen, ohne emotional zu werden. Irgendwie geht das allen so, den einen mehr, den anderen weniger. Es ist immer ein Versuch, denn wir sind unsere Körper, es gibt uns nicht ohne unsere Körper. Deswegen ist es vielleicht sinnvoll, wenn die emotionale Beteiligung so stark ist, nur von sich selbst zu sprechen, damit andere nicht verletzt werden. Trotzdem halte ich es für notwendig, das Thema auch analytisch zu betrachten, denn ein bisschen Distanz bringt oft Klarheit und neue Ideen, für die die einzelne einen blinden Fleck hat. Ich bin froh, wenn jemand wie du klare Worte dafür findet und nicht verstummt, auch wenn es schwierig ist. Danke dafür!

    • Liebe Meike, tausend Dank für deinen so ausführlichen, ehrlichen Kommentar, der mich grad ganz nachdenklich und betroffen gemacht hat. Ich verstehe nicht, wie man anhand solch offener Schilderungen von Menschen wie dir überhaupt nochmal Luft holen kann und wieder ansetzen muss, wie im Kommentar unter dir. Und ja, ich denke, du hast recht. Ich kann gelassener sein, weil ich die Verletzungen gar nicht wirklich kenne. Das war auch der Grund, warum ich lange überlegt habe, noch etwas zu schreiben, ich wollte mir nicht anmaßen für etwas zu sprechen, was ich nie erleben musste. Jetzt freut es mich aber umso mehr, wenn es positiv ankommt.

    • Roswitha sagt

      Danke liebe Meike für Deinen Text- ich erlebe und erlebte ähnliches. Gegen Diskriminierung von Menschen, egal weshalb(!) , dafür lohnt es sich zu kämpfen. Ich bin nun fast 70 Jahre, sterbe ich halt irgendwann übergewichtig. Ist mir lieber, als desinteressiert und dumm. Es gibt so viele Bereiche in denen unser Engagement gefordert sein kann.
      Freuen wir uns und bekommen wir Lachfalten.

  6. Ich finde es schade, wenn man die Quintessenz des Buches als „Abnehmen ist einfach und wer es nicht schafft, ist willensschwach“ versteht. Denn dass das Schwierige das Durchhalten ist, wird ja nicht bestritten … sein Leben und tägliche Gewohnheiten zu ändern, ist nunmal schwierig, auch wenn man weiß, wie es geht.
    Ich wundere ich aber wirklich, wo du im Buch „Dünn ist automatisch gesund und schlank“ gelesen hast? Hab ich eine andere Ausgabe? Der Umkehrschluss „Übergewicht schadet der Gesundheit“ ist wissenschaftlich belegt – das kann man natürlich als Meinung abtun, aber …

    Und nein, selbst erfolgreich abgenommen zu haben, ist kein Grund, andere als „faule Sau“ zu betiteln, da bin ich wirklich sprachlos, was diejenigen damit bezwecken wollen?

    Ich finde wichtig, dass Menschen klar ist, dass sie nicht abnehmen MÜSSEN. Aber dass sie KÖNNEN- und das finde ich wichtig, ebenfalls zu wissen. Es ist natürlich tröstlich, zu lesen „Abnehmen funktioniert nicht, und alles, was mit Abnehmen zu tun hat, trötet aus dem Horn der Diätindustrie – also lasst es bleiben, egal, ob eure Knie weh tun oder ihr kurzatmig seid* oder ob ihr wahrscheinlich 20 Jahre eures Lebens verliert!“

    *falls das so ist.

    Wenn man Menschen kennt, die mit 50 tot umgefallen sind (übergewichtsbedingte Krankheiten), liest sich das nur zynisch.

    Da kann man natürlich sagen „Nö, da sind zwar 30 Seiten mit Studien aufgelistet, aber ich schau die mir nicht an und sag einfach mal, das glaube ich nicht. Kalorienzählen funktioniert nicht“. Aber das erwarte ich nicht an Journalismus von einem Blog, der sich mit einem Online-Grimme-Award schmückt. Meinung gern, für „Ich finde das Buch doof“ brauche ich keine Studien – aber wenn du genannten Fakten widersprichst, erwarte ich mehr als nur Meinungsmache.

    • Ach Hana, das hatten wir doch schon unter dem anderen Text. Ich kann dir nicht verbieten, alles zu glauben, was in Fettlogik steht, aber die dort zitierten „Fakten“ haben mindestens eine Gegenstudie. Es ist eine Tatsache, dass Diäten langfristig nicht funktionieren, die Look Ahead Studie von 2010 hatte ich dir letztes Mal schon im Kommentar genannt. Wenn es dich wirklich interessiert, musst du nur Kritik zu Fettlogik googeln (oder den Link oben zu Candy Beach und ihrer Rezension anklicken) und ein bisschen lesen. Wenn du persönlich betroffen bist, weil du jemanden verloren hast, tut mir das sehr leid, es ändert aber nichts daran, dass das Narrativ von Diäten, wie es auch in Fettlogik gepriesen wird, tagtäglich vielen anderen Menschen massiv schadet.

    • Mom sagt

      Hana, ein Problem ist wohl, dass dauerhaft (!) Abnehmen und dann das Gewicht auch untenhalten verdammt schwierig ist – die seriösen Langzeitstudien gehen von 1-5% aus, die über 5 Jahre einen Gewichtsverlust halten können.
      Soweit ich mich eingelesen habe, ist Kalorienzählen nur für eine kleine Gruppe dauerhaft ein Erfolgsrezept. Andere müssen das anders angehen, und haben trotzdem durchaus eine hohe Chance, zu scheitern.
      Wenn jetzt Fettlogik-Anhänger alle anderen zur Sau machen, weil zufällig bei ihnen grad (!) möglicherweise vorübergehend (!!) die Kalorienzählerei funktioniert, ist das nicht nur menschlich unanständig, sondern einfach für alle Betroffenen nicht hilfreich. (Und für sie selbst peinlich, wenn sie in 5 Jahren wieder genauso wenig gertenschlank sein sollten wie zuvor auch.)

      Und es nützt nichts, wenn regelmäßig gebetsmühlenartig wiederholt wird, wie toll die Kalorienzählerei funktioniert – sie funktioniert für viele eben nicht!
      Ich stimme Dir zu, es ist (wäre?) unglaublich befreiend, wenn es die Patentlösung für Gewichtsprobleme gibt (gäbe?), aber nach meinem Wissensstand sind selbst Experten eher ratlos, was wirklich dauerhaft hilft (-> Insulin, Dopamin, Ghrelin, Leptin, Mikrobiom, Hormone/Weichmacher in der Nahrungskette, „hyperpalatable foods“, Kultur, Stress, Schlafmangel sind u.a. relevante Themen. Das Ganze auf „Willensschwäche“ zu reduzieren ist…nunja…unterkomplex.).
      Es wäre ehrlich, wenn Fettlogik-Fans sagen würden: „Okay, bei MIR hat das bis jetzt funtkioniert, und ich bin heilfroh, weil mein Übergewicht war überhaupt nicht prickelnd. Das heißt aber nicht, dass ich andere be- und aburteilen darf, denen meine Methode nicht hilft. Deren Problem kann andere (physiologische) Ursachen haben als meine, deren Lösungsweg kann ein ganz anderer sein. Wenn sie denn Glück haben. Ich werde mich in Demut üben, in der Kirche mehrere Kerzen anzünden und gaaaanz still und dankbar sein, dass bei MIR momentan die Methode angeschlagen hat.“

      Demut, Demut, Demut, und Dankbarkeit, „Here but for the grace of god walk I“ sind die Zauberworte!

  7. Einhörnchen sagt

    [Disclaimer]Mal vorab – bevor es als „Unterton“ rauskommt – ja ich mag Fettlogik überwinden (aus Faulheit im folgenden FLÜ genannt). Wieso, ist glaube ich für den Kommentar zweitrangig. Trotzdem bin ich Mal so frech und kommentiere einfach ;)[/Disclaimer]

    Ich vertrete nach wie vor die Meinung, dass jeder so existieren soll, wie er sich wohlfühlt. Ich war schon untergewichtig (krankheitsbedingt) als auch übergewichtig (situationsbedingt, möchte ich hier aber jetzt nicht wirklich ausführen :)) Und auch wenn ich mittlerweile Großteils im „Normalgewicht“ bin, bewege mich abe in den letzten Jahren in Gewichtsschwankungen von +/- 20 kg. Ich weiß, was für mich gut ist und nehme mir mittlerweile auch das Recht raus dies, wenn nötig, gegenüber Anderen zu vertreten. Aus diesem Grund erlaube ich mir einfach Mal folgendes zu sagen:

    Ungefragte Kommentare zur persönlichen Ernährung oder Figur sind in jeder Situation unangebracht.

    Ich wurde schon als hässlich und eklig bezeichnet, sowohl im Über- als auch im Untergewicht. Ungefragte Kommentare zu meiner Ernährung gibt es auch immer noch in aller Regelmäßigkeit. Insbesondere, weil ich dazu neige, so zu essen wie ich es will und nicht wie es „normgerecht“ wäre. (Wie, du isst heute kein Mittag? Du wirst doch nicht etwa magersüchtig?! … Dass ich erst 3 Stunden vorher gefrühstückt habe und einfach noch immer satt war und ich mich im Arbeitsalltag nicht permanent Vollfuttern möchte, wurde dann als „gestört“ quittiert.)

    Man kann über allgemeine Plattitüden diskutieren wie „Diäten bringen üb-ber-haupt nichts!“ oder „Alle Dicken sind faul und dumm!“ (Ich denke, wir alle kennen genügend solcher Beispiele). Aber dann muss man auch akzeptieren, wenn die andere Seite das nicht will. Und das wichtigste: Dabei immer nett, freundlich und sachlich bleiben.

    Und das führt mich zu meinem Punkt: Dein Satz: „[D]ie Mentalität […], die mir und manchen anderen bei so vielen Fettlogik-Anhängerinnen entgegenschlägt, die mich „faule Sau“ und „willensschwach“ nannten und vermutlich auch das Gleiche über Menschen mit mehr Kilos als sie selbst denken, wenn sie ihnen im richtigen Leben begegnen.“

    Diesen Satz möchte ich dann doch nicht unkommentiert lassen, denn diese Menschen waren meistens schon vor FLÜ Vollidioten und sind es auch vermutlich in vielen anderen Bereichen, nicht nur im Gewicht. Aber leider ist es wie in vielen Bereichen, dass genau solche Menschen am lautesten sind und am ehesten auffallen. Und bevor sie das Buch kannten, waren es vermutlich auch solche Menschen, die mich gestört nannten, weil ich eine Mahlzeit ausfallen lasse. Hauptsache, das gut-böse-Gefälle bleibt so rein, wie man es mag 😉

    • Mom sagt

      Ich glaube, „Sind halt Idioten“ ist zu kurz gegriffen und erklärt nicht die Übergriffigkeit, Unanständigkeit, Grausamkeit und Bösartigkeit, die bei dem Thema überhandnehmen.
      Warum ist das Thema „Gewicht“ eines, das offensichtlich zu solch emotional aufgeladenen Kommentaren verführt? Ich könnte mir vorstellen, dass das so ein angstbesetztes Thema ist, dass die Leute schlicht ihre gute Kinderstube hinter sich lassen und wild um sich schlagen. Dick sein ist mühsam (ich persönlich finde es ausgesprochen sch*e) und führt mittlerweile ein bisschen zum sozialen Tod. Da will niemand hin, da will besonders niemand mehr hin, der schon mal dort war – und einem Maintainer, einer Maintainerin bleibt die Gefahr doch ständig präsent. => Stress + Angst -> kein guter Nährboden für freundliche Anteilnahme am Schicksal der Nächsten.

  8. K. sagt

    Das Diäten bei Dir nicht funktionieren, finde ich nachvollziehbar. Diäten zielen darauf ab, den Körper zu verändern und Dein Problem ist ja nicht der Körper, sondern der Kopf beziehungsweise die Psyche. Ich selbst habe und hatte noch nie ein Problem mit meinem Selbstbewusstsein, ich habe noch nie die Schönheit meines Ichs (Körper und Geist) in Zweifel gezogen. Skinny Models oder Beach-Body-Werbung lösen in mir keinen Druck aus.
    Aber ich kann verstehen, dass andere Menschen diesen Druck anders empfinden und ich kann verstehen, dass dieser Druck für diese Menschen auch schmerzhaft sein kann. Deshalb kann ich verstehen, dass man sich laut und deutlich gegen diese Art „Körperkult“ stellt. Wirklich ich kann absolut verstehen und respektiere das auch, dass es für Dich (oder jemand andern) schmerzhaft ist, wenn Du denkst, du seist ein Versager und mit Deinem Körper würde etwas nicht stimmen.
    Ich gehe auch einig mit Dir, dass hier wohl einige Menschen in der Gesellschaft „Dicksein“ neu betrachten müssen, denn es geht nicht an, Nicht-Dicken-Menschen zu vermitteln, sie wären dick und sie hätten ein Problem oder dicken aber gesunden und schmerzfreien Menschen zu vermitteln, sie hätten ein Problem.

    Nichtsdestotrotz gibt es nunmal tatsächlich wirklich dicke Menschen, die auch tatsächlich wirklich ein Problem mit ihrem Dick-sein haben und deren Bedürfnisse sind ebenso anzuerkennen und zu respektieren.
    Nehmen wir ein naheliegendes Beispiel: Mich. Denn mein Problem am Dick-sein ist der physische Schmerz. Ich habe jahrelang mehr gegessen als ich verbraucht habe, bis ich 118 kg schwer war. Auf 162 cm. Aufgrund des massiven Übergewichts entwickelten sich Arthrose in beiden Knien, beginnende Arthrose in den Hüften, Bluthochdruck und so starke Rückenschmerzen, dass ich keine Nacht mehr durchschlafen konnte. Mein ganzer Tag war Schmerz.

    Mein Bedürfnis: Schmerzfreiheit.
    Ärztlich empfohlener Rat dazu: Diät zur Gewichtsreduktion

    Hätte ich deine Texte (inkl. gewisser Kommentare) vor meiner Diät gelesen und wäre ich ein leichtgläubiger Mensch….

    „Es ist eine Tatsache, dass Diäten langfristig nicht funktionieren (…) „
    „Kalorienzählen ist der letzte Sch****. Sie sind freudlos, kosten Energie und Lebenszeit und sie funktionieren nicht. Wirklich, alle Langzeitstudien zeigen (und davon gibt es nicht so viele, weil sie mindestens 5 Jahre gehen), dass die Kilos wiederkommen. „
    „Kalorienzählen funktioniert langfristig nicht. „

    ….was hätte ich dann getan? Resigniert? Den Schmerz als Teil meines Körpers akzeptiert und weiter gelitten?

    Denn mal ehrlich, wenn ich Gewicht reduzieren soll, um der Schmerzfreiheit ein Stück näher zu kommen, wie soll ich das machen ohne Diät? Wenn Diäten angeblich nicht funktionieren? Was wäre denn da die Lösung für mich? Ich würde mir wirklich wünschen, dass Du versuchst, Dich mal in meinen schmerzgeplagten Körper hineinzuversetzen und mit mir versuchst herauszufinden, was mir gegen den Schmerz helfen könnte. Wenn Diäten nicht funktionieren.

    Aber glücklicherweise funktionieren Diäten. Es ist mit den Diäten ein bisschen wie mit anderen Heilmitteln. Wenn du Durchfall hast, nimmst du ja auch keine Kopfschmerztablette und rufst dann „Aspirin funktioniert nicht!“. Und wenn dein Problem nicht das Übergewicht ist, mach keine Diät zur Gewichtsreduktion. Will man ein Problem lösen, muss man da ansetzen, wo es liegt.
    Mein Problem lag nur im zu hohen Gewicht und den daraus resultierenden Schmerzen. Ich habe keine Essstörung und keine anderen psychischen Probleme. Deshalb ist eine Diät für mich logischerweise das passende Werkzeug.

    Ja, Diäten funktionieren. Aber sie sind keine Wunderheilmittel für alles. Sie reduzieren nur das Gewicht. C’est tout. Liegt das Problem woanders, setze woanders an.

    Dass Du aus FLÜ nichts Hilfreiches ziehen konntest macht Sinn. FLÜ richtet sich an Menschen, die ein tatsächliches Problem mit ihrem Gewicht haben. Du hast kein Problem mit Deinem Gewicht. Ich schon. Deshalb konnte ich aus FLÜ sehr viel Hilfreiches ziehen.
    Bspw:
    – dass ich mich nicht kasteien muss,
    – dass ich viel über die Ernährung erreichen kann und nicht zwingend Sport machen muss(war nämlich anfangs zu schmerzhaft),
    – dass ich nicht den Rest meines Lebens asketisch leben muss,
    – dass ich nichts essen muss, was mir nicht schmeckt,
    – dass es keine „bösen“ Lebensmittel gibt,
    – dass ich nicht zu bestimmten Zeiten essen muss,
    – dass ich meine Ernährung frei nach meinen Bedürfnissen und Gelüsten gestalten kann
    – und wie wichtig Eiweiss für die Muskeln ist (wusste ich vorher nicht).

    Und vor allen Dingen: Dass ich nichts MUSS, aber KANN.

    Das ist Empowerment.

    Im Gegensatz zu „Diäten funktionieren nicht“ oder noch schlimmer
    „Dir hat Kalorienzählen geholfen, mal sehen wie lange, aber gut. „

    „Mal sehen wie lange“
    Ehrlich? Das twitterst Du weiter? Das kommt Dir so überhaupt nicht hämisch und fies vor? Nicht mal ein klitzekleines bisschen? Ich gehe doch auch nicht zu einem dicken aber gesunden und schmerzfreien Menschen und sage ihm: „Fühlst dich gut? Ja? Mal sehen wie lange noch“. Sowas ist haarsträubend.

    Na gut.

    Kurz zum Schluss: Ich habe FLÜ gelesen, Kalorien gezählt, bisher 36 Kilo abgenommen, mein Bluthochdruck ist weg, die Rückenschmerzen weg, die Arthrose schmerzt noch je nach Belastungsgrad, aber etwas Sport machen und Spazierengehen kann ich wieder. Aber „mal sehen wie lange“, nicht wahr? „Schön dass es dir grad besser geht, aber das ist nur vorübergehend, bald hast du alles wieder drauf und der Schmerz kommt zurück. Isso. Look ahead“

    Na, Danke! Herzlichen Dank für Deinen überaus einfühlsamen Support 😀
    Nein, ehrlich….“mal sehen wie lange“ ist wirklich ganz, ganz übel.
    Zurück zur Realität: Wenn ich mein Wohlfühlgewicht erreicht habe, werde ich es halten. Punktum. Und das macht mich übrigens nicht zu einem „Einhorn“ oder sonst einem Tier. Ich bin und bleibe ein Mensch.

    Liebe Grüsse

    K.

    • Liebe K., ich glaube, die wichtigsten Teile im Text hast du leider überlesen, weil dich deine persönliche Geschichte beschäftigt. Das ist verständlich. Wenn dir FLÜ geholfen hat, schön, wenn du als Dicke nie diskrimiert wurdest und gesundheitliche Beschwerden deine einzigen Probleme waren, freut mich das noch mehr. Ich bin weiterhin der Meinung, dass FLÜ mit seiner Abgrenzung und Ablehnung des Dicksein zur Motivation viele unglücklich und letztendlich dick zurück lässt. Und sorry, dass es ein gewisses Gefühl der Überlegenheit produziert, zeigt sich auch an deiner „psychologischen Einschätzung“ von mir in deinem Kommentar. Ich wünsch dir alles Gute. VG, Corinne

    • Mom sagt

      Ich find’s klasse, dass Du mit Fettlogik Dein Ziel erreicht hast, aber ich muss Deine Einschätzung nur mit meiner Situation vergleichen und sehe schon, dass einige Fettlogik-Grundsätze m. Erachtens schlicht zu kurz greifen:

      – dass ich viel über die Ernährung erreichen kann und nicht zwingend Sport machen muss(war nämlich anfangs zu schmerzhaft),
      => Absolut, absolut, die Ansicht scheint ja mittlerweile weithin verankert zu sein – steht aber natürlich in den Frauenzeitschriften i.d.Regel so nicht drin.

      – dass ich nicht den Rest meines Lebens asketisch leben muss,
      => Wie soll denn das funktionieren? Du musst ja Deine Kalorienzufuhr dauerhaft reduziert halten (bei mgl. verstärktem Hungergefühl, DANKE, Ghrelin), wenn das keine Askese ist, weiß ich auch nicht.

      – dass es keine „bösen“ Lebensmittel gibt,
      => siehst Du, und da divergierst Du von anderen – ich werde von Zucker/Weißmehl enorm heißhungrig (und bin damit nicht allein), ich muss das weglassen. Mit diesem Dictum liegt Fettlogik einfach für viele falsch.

      – dass ich nicht zu bestimmten Zeiten essen muss,
      => aber natürlich helfen längere Pausen zwischen den Mahlzeiten, s. Insulinspiegel.

      – dass ich meine Ernährung frei nach meinen Bedürfnissen und Gelüsten gestalten kann
      => Schön, dass Du das kannst. Ich kann das nicht.

      – und wie wichtig Eiweiss für die Muskeln ist (wusste ich vorher nicht).
      => Absolut d’accord.

  9. K. sagt

    Zuerst: Was bei Dir als „Gefühl der Überlegenheit“ (ist das jetzt Deine psychologische Einschätzung?) ankommt, ist wohl nur Teil meines Selbstbewusstsein, welches übrigens nicht von FLÜ produziert wurde.

    Mag sein, dass ich die „wichtigsten Teile im Text leider überlesen habe“, das gebe ich gerne zurück, du hast die wichtigen Teile in meinem Text leider auch überlesen.

    Zum Beispiel der Punkt: Was soll ich tun, wenn ich Gewicht reduzieren muss, um schmerzfrei zu werden und Diäten angeblich nicht funktionieren?

    Wie Du bereits einer anderen Komentatorin schriebst, ging es Dir hauptsächlich um die „Narrative der Diätindustrie“. Klar.

    Dazu eine Frage: Wenn es Dir tatsächlich darum geht, warum behauptest du dann unermüdlich immer wieder, dass Diäten nicht funktionieren. Und das im Wissen, dass für einige Menschen da draussen Diäten nicht nur funktionieren, sondern auch immens wichtig sind für ihr Wohlbefinden?

    • Diäten führen für in die 90% der Teilnehmer*innen nicht zu einem langfristigen Gewichtsverlust (über 5 Jahre hinaus), das ist ein durch Studien bewiesener Fakt. Dass dir eine Diät bei deinem Wohlbefinden geholfen hat, ist schön, ändert aber nichts daran. Es macht auch wenig Sinn, immer mit medizinisch indiziertem Veränderungen an Essverhalten und Lebensstil zu argumentieren, das Diät zu nennen, und deshalb die anzugreifen, die sie hinterfragen, wenn in unserer Gesellschaft mit Diätwahnsinn und Schlankheitswahn mehr Menschen darunter leiden und davon krank werden. Ich werde hier nicht weiter über Diäten diskutieren und ob sie x oder y aber geholfen haben, es geht in beiden Texten um einen größeren Zusammenhang. Wenn du den anders oder nicht siehst, ist dir das freigestellt.

      • K. sagt

        Medizinisch indizierte Veränderungen an Essverhalten und Lebensstil sind also keine Diät. Dann entschuldige ich mich hiermit in aller Form, ich wusste nicht, dass wir uns Definitionen selber stricken dürfen. Aber ok….. Gut, ich einige mich gerne mit Dir darauf, dass medizinisch induziertes Kalorienzählen funktioniert, auch langfristig, im Gegensatz zu einer Diät.

        Liebe Grüsse

        K.

        • Ach K., lass gut sein. Zähl deine Kalorien, wenn es dich glücklich macht. Ich werde nie verstehen, wo eurer Bekehrungseifer herkommt. Was ist so schwer an: „Mir hat es geholfen, aber ich sehe auch, dass es vielen anderen schadet.“

          • K. sagt

            „Du kannst ja in 5 Jahren an mich denken.“

            Wie bereits gesagt: Sowas ist haarsträubend.

          • K. sagt

            Oh, du hast editiert. Danke. Das meine ich ernst.

            „Ich werde nie verstehen, wo eurer Bekehrungseifer herkommt.“

            Ich will Dich nicht bekehren. Ich möchte Dir nur begreiflich machen, dass Deine Botschaften genauso Schaden anrichten können.

            „Was ist so schwer an: „Mir hat es geholfen, aber ich sehe auch, dass es vielen anderen schadet.“

            Ich sehe, dass viele andere Schaden nehmen, das habe ich zu Beginn geschrieben:

            „Aber ich kann verstehen, dass andere Menschen diesen Druck anders empfinden und ich kann verstehen, dass dieser Druck für diese Menschen auch schmerzhaft sein kann. Deshalb kann ich verstehen, dass man sich laut und deutlich gegen diese Art „Körperkult“ stellt. Wirklich ich kann absolut verstehen und respektiere das auch, dass es für Dich (oder jemand andern) schmerzhaft ist, wenn Du denkst, du seist ein Versager und mit Deinem Körper würde etwas nicht stimmen.
            Ich gehe auch einig mit Dir, dass hier wohl einige Menschen in der Gesellschaft „Dicksein“ neu betrachten müssen, denn es geht nicht an, Nicht-Dicken-Menschen zu vermitteln, sie wären dick und sie hätten ein Problem oder dicken aber gesunden und schmerzfreien Menschen zu vermitteln, sie hätten ein Problem.“

          • Letzter Versuch 😉: In einer Gesellschaft, in der Schlanksein das Ideal ist und schlanken Menschen per se positive Charaktereigenschaften zugestanden werden, ist es unnötig so für Diäten zu trommeln, wie du es tust. Das ist, als würdest du sagen, aber es gibt auch einige männliche Vorstände, die keinen Aufsichtsratsposten bekommen, wenn alle über die Frauenquote reden. Dicken wird oft genug suggeriert, dass sie abnehmen müssen, da braucht es keinerlei Lobbyismus.

          • Mom sagt

            K., jemand der abnehmen will, lässt sich das von einer Corinne sowieso nicht ausreden. Und sie hat schlicht recht – wer mal ein bischen über den Horizont von „Fettlogik“ rausblickt, der weiß, dass der langfristige Gewichtsverlust Seltenheitswert hat. Ich weiß das, als Betroffene (mit BMI 29) finde ich das eher sch…wach, aber es nutzt ja nichts, sich die Augen zuzuhalten und laut zu singen, nur, um ungeliebte Fakten nicht wahrnehmen zu müssen.
            Trotzdem versuche ich, mein Gewicht zu reduzieren, mit dem Fokus darauf, von den „Einhörnern“ zu lernen (und bitte schau in jedes beliebige Diätforum – die Leute dort sind zum 3., 4., 5, 6., 7., usw. Mal mit von der Partie), und mit dem Fokus auf massive Barmherzigkeit mir selbst gegenüber, wenn es denn nicht klappen sollte.
            Wer abnehmen will, ich wiederhole mich, probiert das sowieso – aber mit ein bisschen Hintergrundwissen geht dieser Mensch dann eben mit Selbstrespekt und Selbstliebe in das ganze Unternehmen rein und aus ihm raus, egal, wie das Ergebnis aussieht. Ein Kernproblem ist es, dass wir uns so sehr auf unsere Körper reduzieren (lassen) – aber wir sind viel mehr als das.

  10. bu sagt

    Interessanter, sehr gut formulierter und längst überfälliger Beitrag (inkl. Nachklapp) zu Diäten und Co. – Chapeau!

    Mich erstaunt an diesem ganzen Fettlogik-Gedöns ja besonders die Vehemenz, der missionarische Eifer, der auffällige Hang zur Selbstdarstellung und ehrlich gesagt auch die große Abnehm-Fan-Gemeinde… wo die nur alle herkommen…. in einer Gesellschaft, in der Schlanksein das Ideal ist?! 😉

    By the way….. ob jemand nun 8 oder 80 Kilo abnehmen will/kann/soll… eine Leistung ist es allemal. Aber dadurch alleine wird ein Mensch nicht liebenswerter, besser oder bewundernswerter.

    Beste Grüße unbekannterweise!
    🙂

  11. MädchenMitDenZöpfen sagt

    Vielen Dank für diesen Blogeintrag, der meine Gedanken zu Buch, Blog und „FLÜ-Community“ schön zusammenfasst.

    Vorneweg: Ich zweifle nicht daran, dass Übergewicht der Gesundheit abträglich ist und „Kalorienzählen + Bewegung“ einen Effekt hat. Beides kenne ich aus eigener Erfahrung.

    Ich habe jedoch immer sehr verwundert festgestellt, welche sozialen Dynamiken unter den „Fettlogik“-Anhängern üblich sind. ALLE wollen ihnen das Abnehmen abspenstig machen und fänden sie auch schon bei deutlichem Übergewicht „zu dünn“ und sie bekämen seit der Abnahme nur noch negative Kommentare… da würde ich mir weniger Sorgen um meine Figur machen als vielmehr darum, mit was für Leuten ich mich bisher umgeben habe.

    Menschen, für die ein Gewichtsverlust mehr „nice to have“ als „must have“ ist, weil vielleicht keine Dringlichkeit gesehen wird oder die Prioritätenlage derzeit eine andere ist, werden mit missionarischem Eifer vom Gegenteil zu überzeugen versucht. Als „Außenstehender“ fragt man sich dann: Geht es da noch um Gesundheit und „sich wohl fühlen“ oder um Dogmen?

    Mich verwundert einfach, dass vielen überzeugten Lesern nicht bewusst zu sein scheint, dass ein Buch zu „Diätmythen“ nicht der heilige Gral der Glückseligkeit ist, mit dem sich für alle Übergewichtigen oder Normalgewichtigen mit Abnehmwunsch automatisch jede negative Körperwahrnehmung und jedes Zipperlein in Wohlgefallen auflöst.

    Wie es im Blogbeitrag schon steht: Wer mit der Methode erfolgreich abgenommen hat und sich besser fühlt, dem sei es uneingeschränkt gegönnt. Wer aber gar keinen Wunsch zur Kalorienreduktion hegt oder einen anderen Weg wählt, um ans Ziel zu kommen, dem möge man doch bitte nicht mit dem erhobenen Zeigefinger oder gar Häme und Spott begegnen.

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