Feminismus & Weltverschwörung
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Nachhilfe für Mütter in feministischer Weltsicht von Sonya Kraus

Ich war 18 und stolperte über Die Glasglocke von Sylvia Plath. Kurz darauf folgte The Beauty Myth von Naomi Wolf. Es war eine Offenbarung. Ich beschloss, dass man nur Feministin sein konnte. So kam ich zu meiner ersten Ausgabe der EMMA. Und quälte mich durch diese hindurch – ebenso wie durch die nächsten paar. EMMA und ich sind nie Freundinnen geworden. Ich habe es in den folgenden Jahren immer wieder versucht, aber irgendwie passten wir nicht zueinander.

Unser Verhältnis war also nicht frei von Vorurteilen, als ich mal wieder die Internetseite besuchte. Unter Lebenslagen bot sich mir die Rubrik Mütter an. Super, passt – also drauf geklickt. Und musste feststellen, dass EMMA & ich immer noch nicht zueinander kamen. Als Testimonial der jungen, witzigen, selbstbestimmten Mutter mit eigenem Kopf UND eigener Kolumne lächelt mir nämlich Sonya Kraus entgegen.

Die Frau, die einst als fleischgewordene Männerphantasie bei talk, talk, talk mit erregter Stimme ihre Brüste ins Bild drückte? War das nicht bei einer anderen Schlau-tut-auf-dumm-Fernsehpersönlichkeit hoch kritikwürdig?

Warum ich noch eine tiefe Unsympathie hege, dunkel in meinem Kopf, erläutert mir schnell Google. 2007 empfiehlt Sonya geneigten Leserinnen in ihrem Sexratgeber, damit „die Fetzen im Bett fliegen„:

Also Mädels, nicht so zimperlich sein! Mit dem Blasen ist es wie mit Kaffeetrinken oder Rauchen: Erst schmeckt es ziemlich gewöhnungsbedürftig. Mit der Zeit wird es immer besser, und irgendwann ist man süchtig danach! Übung macht ganz klar die Meisterin. Wenn wir es dann so richtig draufhaben und unser Kerlchen beim Flötensolo vor Wonne durch die Decke geht, ist das auch für uns der absolute Anheizer. Als Teenie dachte ich übrigens immer, Oralsex sei für die Frau demütigend. Von wegen! Wozu haben wir Zähne im Mund – Blasen ist Macht!

Ah ja, also schön die Zähne zusammen beißen (nicht im Wortsinn) und einfach Augen zu und durch! Außerdem: Orgasmen vortäuschen. Schließlich will der Mann für seine Anstrengungen belohnt werden und hey – Welches andere Interesse könnte die Frau an seiner Seite haben, als beim Sex SEIN Ego aufzubauen?

Ok, hier kann ich nicht mehr und überfliege Tipps wie Eigene-Wünsche-bitte-ganz-sanft-anbringen nur noch. Bye, bye Selbstwert.

Ich kann mir das nur so erklären. Sonya Kraus hat ja nach der Geburt ihres Kindes öffentlichkeitswirksam über die unschönen Seiten ausgepackt. Ich kann mir vorstellen, dass man das gut findet, wenn eine sonst perfekt-gestylte Blondine mal über Blut & Schmerzen redet. Muss jetzt vielleicht nicht unbedingt mit rassistischen Untertönen passieren:

Was ich sah, war grotesk! Wo bitte war die Afrikanerin, der dieses Körperteil gehörte? Alles war schwarz! Meine Intimzone zierte ein Veilchen, als wäre das Ding da unten Opfer einer heftigen Schlägerei geworden.

Aber da liest man fast drüber.

In der EMMA wird sich nun über die Unfähigkeit der Väter ausgelassen. Und ich glaube, ich weiß, warum Frau Kraus hier Kolumnistin ist: Kein Mann hilft bei der Kindererziehung, alles bleibt an der Frau hängen. Kein nächtliches Aufstehen, kein partnerschaftliches Teilen. Damit auch alle wissen, dass es sich hier um eine kluge gesellschaftliche Analyse handelt, wird final angemerkt:

Das Erschreckende, egal, welche taffe Power-Mutti ich frage: Den emanzipierten Mann, der alltägliche Pflichten und Mühen mit seiner Partnerin fair teilt, den gibt es anscheinend so häufig wie mono­game Menschenaffen.

Sorry Sonya Kraus, wenn dein Männerbild bei der Partnersuche von deinen Sextipps geprägt war, hast du dir wahrscheinlich auch das blödeste Exemplar der Spezies ausgesucht. Und…da bin ich jetzt mal ganz hart, hast es auch nicht besser verdient. Wer sich als Erfüllungsgehilfin männlicher Sehnsüchte anbietet & hier nicht gleichberechtigt lebt, muss sich dann nicht wundern, wenn er als Mutter die Arbeit allein machen darf.

Und schade EMMA! War denn keine andere kluge, witzige, junge Mutter zu finden? Oder sangen die alle nicht kritiklos genug das Lied vom unnützen Mann und Vater? Weil die Männer vielleicht auch schon ein bisschen weiter sind? Oder war man zu berauscht von der Chance der Zusammenarbeit und wollte den Wir-sind-so-selbstironisch! So-etwas-hätte-ja-niemand-von-uns-erwartet! – Moment nicht vorbeiziehen zu lassen. Denn so ein bisschen selbstverliebt & einfältig sind wir Frauen halt schon. Oder, Frau Kraus? So ironisch-humoristisch betrachtet. Vielleicht sogar in der EMMA-Redaktion.

Nachbemerkung: Das ist ein alter Text von mir, der bereits 2013 als Beitrag auf einem anderen Blog erschien. Ich habe ihn erneut eingestellt, weil er gut zur Debatte passt, die ich aktuell bei erlesenes bespreche. Bisher sind übrigens vier Kolumnen von Sonya Kraus bei EMMA erschienen. Die letzte vom November 2014. Die erste, die erschien, ist die hier besprochene.

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1 Kommentare

  1. Nein?!
    Sonya Krauss war mal Kolumnistin für die EMMA? Grotesker geht’s ja irgendwie nicht. Diese Zeitschrift ist doch nur noch ein Schatten ihrer selbst, das hat doch mit Feminismus nichts mehr zu tun. Danke für diesen Hinweis (kopfschüttel)

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