Kinder & Küche
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Musings

Ich habe in den letzten zwei Tagen drei Jane-Austen Verfilmungen gesehen, geschlafen, wenn ich schlafen wollte. Ich habe wieder mal in vielen Blogs nachgelesen & den Zeitungsstapel verkleinert. Ich habe ohne Hast gekocht & mir Zeit gelassen beim Einkaufen dafür. Ich habe ein bisschen aufgeräumt aber den richtigen Wäschestapel liegen lassen. Ich habe mir Gedanken gemacht, Musik gehört & war allein mit mir. Es war himmlisch. (An dieser Stelle ein Hoch auf Oma & Opa, die das Kind bespaßt haben. Ich liebe euch.)

Man könnte sagen, ich habe klassisch prokrastiniert. Ich bevorzuge die Bezeichnung, dass ich mir ein Gelassenheitspolster gebaut habe. Sicher nur ein kleines. Ich habe keine Ahnung, wie lange es halten wird. Was auch egal ist, jetzt gerade geht es mir sehr gut & ich schreibe es schnell mal auf, damit ich später nachlesen kann.

Kurz bin ich sogar der Idee erlegen, Lotto zu spielen, weil, wenn ich nie wieder arbeiten müsste, dann wäre dieses Gefühl, tun zu können, was man will, vielleicht auf ewig festzuhalten. Was natürlich Quatsch ist. Weil keine Entspannung ohne Anspannung & langfristig macht nicht einmal völlig frei von allen Zwängen zu sein richtig glücklich. Auch wenn ich es kurzfristig sehr empfehlen kann.

Kurz hatte ich in dem Text auch mal den Satz: Ich habe wieder gelebt wie ein Single. Und dann gleich wieder gelöscht. Wenn ich an meine Zeit vor Kind & Mann zurück denke, war ich auch oft ziemlich müde & erschöpft. Ich habe massenhaft Energie in die Arbeit gesteckt, in die Vorstellungen von einem erfüllten Sozialleben. Klar war man selbstbestimmter. Aber glücklicher (Hui, was ist Glück?), entspannter, zufriedener?

Das Wichtigste aber, ich will mich über mein damaliges Ich nicht erheben, ich bin nicht besser geworden oder habe mich weiterentwickelt. Ich habe einfach das gemacht, was für mich richtig erschien. Und jetzt bin ich damit meistens sehr glücklich & oft auch erschöpft & überfordert. Muttersein ist anstrengend, es gibt viele Hürden, Ansprüche, zu wenig Anerkennung, in meinen Entwürfen schlummern mindestens drei richtige Rants über himmelschreiende Ungerechtigkeiten. Ich hatte überlegt, einen davon zu Ende zu schreiben. Was ich aber nicht machen will, ist der Vergleicheritis zu erliegen & sich über andere zu erheben. Ich weiß nicht, wie schwierig sich eine Situation für jemand anderen darstellt. Hey, sogar ein & dieselbe Situation darf unterschiedlichen Typen von Menschen mehr oder weniger Stress machen. Leider geht das Probleme benennen zu oft einher mit Vergleichen. Menschen ohne Kinder können das nicht nachvollziehen, Menschen mit kleinen Kindern sollen mal auf die späteren Phasen warten. Ist natürlich alles menschlich & legitim. Ich erwische mich jetzt schon oft dabei, dass ich innerlich denke: Ach ja, warte mal ab. Aber ich sage es selten. Da seht ihr mal, wie entspannt ich bin. Manchmal.

Foto: flickr – Anna – CC by 2.0

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6 Kommentare

  1. Schöner Text, so ein Gelassenheitspolster könnte ich gerade auch gebrauchen. Aber ab und zu mal ärgern darf man sich auch, muss ja mal raus. Dann klappt es auch wieder mit der Gelassenheit :-).

  2. Daniela Röder sagt

    Ach Corinne,
    wie schaffst Du es nur immer wieder meine Gedanken in Worte zu fassen? Mit den drei Jane Austen Verfilmungen hattest Du mich natürlich schon 🙂 Aber besonders die Gedanken im letzten Absatz beschäftigen mich auch immer wieder. Immer wieder und manchmal sogar häufig schleichen sich diese Vorurteile und wartsnurab auch in meinen Kopf und es gehört viel Selbstbeherrschung und Reflektion dazu, dass ich Sie nicht einfach hinausposaune. Dann einen Stück zurückzutreten und zu realisieren und zu akzeptieren, jeder steckt in seiner Haut und tut (meist) sein möglichstes auch wenn ich es anders machen würde, erfordert Energie, die ich leider nicht immer habe. Aber ich bin bemüht 🙂
    Genieße die Gelassenheit solange Du sie noch in Dir hast, denn warte nur ab, wenn erst mal das Zweite da ist (zwinker, lach) …

    Liebe Grüße
    Daniela

    P.S. Was ist Dein Lieblings-Jane-Austen-Film?

    • Die Gelassenheit wird schon vorher verfliegen, wenn ich meinen Rappel kriege, was noch alles zu machen ist. Es ist mehr der Versuch einer Geisteshaltung. 🙂 Ich mag Sinn und Sinnlichkeit mit Emma Thompson, auch wenn Elinor im Buch glaube ich 19 ist. Und die neue Pride & Prejudice Verfilmung mit Keira Knightley fand ich super (der Klassiker). Gestern habe ich übrigens noch Jane Eyre mit Michael Fassbender & Mia Wasikowska drangehangen. (Bevor jemand kommentiert, ist Bronte, ich weiß.)

      Auf jeden Fall lieben Dank für deine immer sehr netten Kommentare, freu mich jedes Mal.

      • Daniela Röder sagt

        Von Sinn und Sinnlichkeit mag ich auch sehr die BBC Verfilmung. Stolz und Vorurteil, ach ja … sehr schön.

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