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Mein Sonntagabend: Magic Mike statt Tatort

Am Sonntagabend habe ich Magic Mike auf ProSieben geguckt. Den ganzen Film. Und nicht den Tatort. Bähm. Da habt ihr es. Jetzt ist es raus.

Ein paar Fakten zum warm werden: Magic Mike (Channing Tatum) ist ein strippender Bauarbeiter/ Autoteilehändler/ angehender Möbeldesigner, der als Star des Abends mit anderen strippenden Männern in einem Club auftritt. Chef vom Dienst ist Matthew McConaughey. Neuling Alex Pettyfer wird gerade angelernt. Der neue Stripper bringt auch seine super aussehende, aber skeptische Schwester vorbei. Regisseur ist Steven Soderbergh, der hat auch Ozeans 11 bis 13 gedreht.

In den USA war Magic Mike unglaublich erfolgreich (mit nur 7 Mio. Produktionskosten sozusagen ein Low-Budget Film, obwohl wikipedia hier nicht die Gehälter der Stars eingerechnet haben kann). Und es wurde auf feministischen Websites & Blogs heiß diskutiert, wie Magic Mike nun zum Feminismus passt, weil hordenweise kreischende Frauen, in die – zumeist Tage vorher ausverkauften – Vorstellungen stürmten. Mutmaßlich nicht wegen der Handlung, sondern den ziemlich nackten Hollywoodschauspielern. Vielleicht auch wegen der Cocktails, die von den Kinos gern vor den Vorstellungen ausgeschenkt wurden. (Latent schwingt mit: Was, wenn Frauen doch nicht die besseren Menschen sind? Was schonmal Blödsinn ist. Und natürlich auch: Dürfen Feministinnen an so etwas Spaß haben? Was doppelter Blödsinn ist.) Wer nochmal ein bisschen nachlesen will, hier gibt es ein schönes Gespräch über den Film.

Warum ein Mainstream-Film interessiert, der darauf baut, dass Frauen wegen nackten Männern kommen? Die meisten Beiträge drehen sich um Objektifizierung & den sogenannten male gaze. Schön ausführlich erklärt hier. In kurz: Die feministische Filmkritikern Laura Mulvey sagt, in Filmen wird die Handlung nur durch männliche Augen gesehen, was eine kulturelle Norm geworden ist. Denken wir an ein paar Filme. Meistens gibt es einen männlichen Helden, der die Handlung vorantreibt. Die Frau an seiner Seite ist genau nur das & wird aufgrund ihrer Weiblichkeit & Sexualität inszeniert. Auch wenn die Frau im Film eine wichtige Plotfunktion erfüllt, wird sie oft nur in Bezug auf ihre Attraktivität für Männer dargestellt. Das zeigt sich auch an Filmtechniken wie einer Kameraführung, die nur Körperteile in den Fokus rückt. Frauenkörper werden so zum Objekt. Und die Frauen auf allen Ebenen nicht als Ganzes wahrgenommen. Spoiler: Funktioniert auch in Werbung & TV.

Und? Passiert bei Magic Mike das Gleiche mit Männern, was bei Frauen kritisiert wird? Womit ihr jetzt auch mein rein wissenschaftliches Interesse kennt, was mich dazu bewogen hat, den Tatort gegen Magic Mike zu tauschen. Das & Channing Tatum.

Was mich zu meinen Eindrücken vom Film bringt:

1. Channing Tatums – äh – Tanz zu Genuines Hit Pony kriegt Extrapunkte. Kann auch sein, dass ich die Szene nochmal zu Recherchezwecken auf youtube gesucht habe. Allgemein dominierte bei mir aber eher der Fremdschämimpuls bei Szenen wie dieser

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Ich konnte den Film als Anschlag auf mein Erregungszentrum leider genauso wenig ernst nehmen, wie die Schauspieler sich selbst in ihrer Rolle. Zumindest kam es mir so vor, als wurde mir da immer mal ironisch zugezwinkert, während man sich die Hose vom Körper riss. Wie sonst als mit Ironie lässt sich z.B. Matthew McConaugheys Outfitwahl erklären? Männer können sich hier Ironie beim Spielen leisten.

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2. Viele Close Ups der nackten Körperteile von Hollywoodstars gabs nicht. Ich habe die durchtrainierten Hintern der männlichen Stars ungefähr genauso oft gesehen wie nackte Brüste von Frauen (Die Brüste waren übrigens namenlos, sprich der Charakter steht im Abspann als „nackte Frau auf der Party“). Bei einer Beachparty hatten die Frauen mit ihren Bikinis weniger Stoff an als die begleitenden Stripper. Und auch sonst trugen die Frauen im Film eher knappe Shorts. Ja,ja, ist klar. Der Film spielt in Tampa/Florida. Da laufen halt alle Frauen mit durchtrainierten Surferkörpern Gr. 34 in Hemdchen & abgeschnittenen Jeans rum.

3. Ich würde sagen, Magic Mike ist tatsächlich ein Frauenfilm. So wie romantische Komödien mit Jennifer Lopez oder Jennifer Anniston. Es gibt erstaunlich wenig Sex zu sehen, in einem Film, indem sich die Stripper Cock Rocking Kings of Tampa nennen. Ich muss sogar mal scharf überlegen, ob der Hauptdarsteller mal mit Zunge küssen durfte. Die Handlung ist auch nicht unähnlich. Pretty Woman-mäßig will Mike eigentlich etwas ganz anderes machen & spart brav sein Geld.  Am Ende wird er von einer Frau (besagter skeptischer Schwester) errettet & hängt den Tanga an den Nagel. Händchen haltend sehen wir die beiden am Küchentisch.

Magic Mike ist kein schlechter Film, wenn man romantische Komödien mag (Ich tue das). Alles in allem ganz unterhaltsam. Aber um die sexuelle Objektifizierung von Männern muss man sich keine Sorgen machen. Da kann ich Entwarnung geben. Alles weiter schön beim Alten.

Einen feministischen Daumen hoch kriegt der Film aber noch. Dafür, dass offensichtlich alle Hauptdarsteller ein Ganzkörperwaxing über sich ergehen lassen mussten (nach den tief sitzenden Hosen & Tangas zu urteilen). Und dafür, dass die Notwendigkeit, sich regelmäßig die Beine zu rasieren, um sexuell attraktiv zu sein, thematisiert wird. Von Männern. Das ist doch mal was.

Fotos: fuckyeahmagicmike.tumblr.com

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