Schönes & Banales
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Lieber Weichspülerhersteller

Es ist schon ein bisschen gemein, oder? Da will man einmal modern sein und dann sowas. Da fotografiert ihr total fortschrittlich einen Mann mit Bettlaken wegen Gleichberechtigung und so – und dann so etwas. Macht noch einen schönen Spot dazu, wo er das Bett bezieht und das Ergebnis freudig der Frau präsentiert, als hätte er das Krebsmittel erfunden. Trotzdem, nur Hohn und Spott.

Jetzt denkt ihr vielleicht, die Welt war einfach noch nicht bereit für so viel Fortschritt. Auf Facebook und Instagram schreiben die Nadines und Franziskas und Tinas, was euer Motiv für ein Quatsch sei. Männer würden nie im Leben so mit einem Bettlaken rumtanzen. Oder überhaupt eines in die Hand nehmen. Und die humorvolleren Kommentatorinnen beschweren sich, dass sie ihren Mann gerade zwei Mal durchgewaschen haben und er trotzdem nicht so aussieht wie das Model in eurer Anzeige. Oder fragen nach, ob sie das Sahneschnittchen beim nächsten Einkauf kostenlos dazu bekommen. Sie würden auch weiterhin selbst das Bett beziehen, zwinker, zwinker. Sexismus ist das. Nur eine scheint es verstanden zu haben und findet eure Kampagne super, denn „Auch Männer dürfen es gut finden, wenn ihre Wäsche gut riecht.“ Dem kann ich natürlich nur zustimmen. Und möchte euch kurz helfen. Das Komische an eurem Motiv ist nicht der fehlende Realismus, da haben wir bei euren Frauenabbildungen der letzten Jahre auch drüber hinweg gesehen. Hier zum Beispiel, ist mir mit meinem Kleid noch nie passiert.

Und so lache ich nie beim Bettwäsche wechseln,

um mich dann wie in eurem Werbespot im frischen Laken zu wälzen.

Was uns irritiert ist, wir sind es einfach nicht gewöhnt. Und damit meine ich nicht, dass Männer die Betten machen. Wir sind es einfach nicht gewöhnt, dass Männer halbnackt, in sexy und dümmlich grinsend jeden Sch**** bewerben. Bei Frauen ist das kein Problem, das kennen wir ja. Wir haben auf Werbefotos das breiteste Grinsen, wenn wir vor Salat sitzen und kriegen Orgasmen von der richtigen Espressokapsel oder dem neuesten Nagellack. Wir ziehen uns gern für Autowerkstätten und Rentenversicherungen aus und natürlich auch für euch. Männer haben da noch einen Stück Weg vor sich bis zur endgültigen Gleichberechtigung.

Und du, lieber Weichspülerhersteller, kannst natürlich die Sperrspitze dieser egalitären Bewegung werden. Wenn du auch in Zukunft ganz viele Männer mit möglichst vielen Bauchmuskeln selig lächelnd mit tanzenden Laken fotografieren lässt. Oder, wir ziehen Frauen und Männern etwas mehr an und gönnen beiden mehr als einen Gesichtsausdruck und Körper. Das wäre doch eine wirkliche Revolution, oder? Denk mal drüber nach.

Deine Corinne

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11 Kommentare

  1. Wirklich interessant, dass die Frauen da so drauf abgehen und das männliche Model mit Spott und Hohn übergiessen. Dabei bewegt er sich halt nur im weiblichen Klischee. Armer Kerl…

    • Ich finde es spannend, wie leicht das Kritisieren fällt, wenn es in einem anderen Kontext auftaucht. Wo uns noch auffällt, wie komisch das Ganze oft ist.

  2. Pingback: Linkliebe № 2 - LexasLeben

  3. Schöner Artikel!

    Tatsächlich ist es doch so, dass nicht nur diese Lenor Werbung unrealistisch ist – sondern generell Werbung. Aber würde noch jemand getriggert werden, etwas zu kaufen, wenn die Werbeanzeigen realistisch wären (z.B. mit einem realistischen Gesichtsausdruck beim Betten beziehen :)).

    Liebe Grüße und weiter so
    Juliane

    • 😉 Klar, Realismus in der Werbung zu fordern wäre ein bisschen lächerlich, aber ein bisschen mehr Diversität wäre nicht schlecht, oder?

  4. Mom sagt

    ähm Speerspitze.

    Wie jetzt, ihr tanzt und lächelt nicht beim Bettenüberziehen? Und ihr lächelt nicht liebevoll, wenn das Kind zum dreiundzwölfzigsten Mal mit dem weißen Sportdress in den Dreck springt? Und ihr seid beim Abendessen nicht frisch geschminkt und onduliert? Und eure Menstruationsflüssigkeit, ist die etwa nicht blau?

    Gibt’s ja gar nicht.

    Seitdem ich meinen Fernseher abgeschafft habe (12 Jahre), sehe ich Werbung nur mehr sehr sporadisch, und es tut mir wirklich in der Seele weh, was für Schwachsinn da über die Schirme flimmert – und wie sehr das Menschen den Tag versauen kann, die mit solchen Botschaften dauerhaft zugemüllt werden, bis sie die Bilder und Botschaften volens nolens verinnerlichen.

  5. Christina sagt

    Schöner Artikel.
    Das Bild irritiert, ja. Sehr.
    Und ich finde es genauso unpassend, wie wenn anstelle des Kerls eine Frau zu sehen wäre.
    Da es einfach nichts mit der Realität zu tun hat. Und mich deswegen – wenn ich so drüber nachdenke – einfach nicht anspricht. Aber ich denke, so funktioniert Werbung.
    Sinne ansprechen usw.

    PS: Bitte ein bisschen an der Rechtschreibung arbeiten.

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