Leben & Lesen
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Kleine existenzielle Krisen

Das Problem mit dem Bloggen ist ja, dass der Blog eben irgendwie man selbst ist. Aber man lebt nicht im Blog. Hier wäre es vermutlich auch ziemlich ungemütlich. HTML kann man nicht essen und ständig hätte man ein schlechtes Gewissen zwischen all den rot mahnenden Plugin-Updates, während der Schlaf von hereinfliegenden Kommentaren gestört wird, die scharf die eigene mangelhafte Kommasetzung anmahnen.

Aber ich schweife ab. Da ich nicht im Blog lebe, finden die kleinen Achterbahnfahrten des Lebens draußen statt und normalerweise ziehe ich sie irgendwann in die Buchstaben hinein, wenn der Drang zu Schreiben zu groß wird. Manchmal lässt der Drang aber auch auf sich warten. Er wird wie die meisten Menschen missverstanden und ist eigentlich ein höflicher Mensch, der viel lieber eine Muse wäre als ein nerviger kleiner Schreibimpuls.

Wenn der Drang also wieder nur freundlich wartend in der Ecke steht, nach einigen Tagen des Nichtveröffentlichens, beschleicht mich regelmäßig der Gedanke, was ich denn schreiben könnte. Die Unsinnigkeit des Weltenlaufs und die Notwendigkeit der großen Kämpfe wird aber schon gut von anderen besetzt in der letzten Zeit, so dass ich heute zunächst ratlos zurück blieb. Bis mir klar wurde, dass ich ja der Blog bin und ich in den letzten Tagen mit so vielen tiefgründigen Überlegungen verbracht habe, dass es überhaupt kein Problem gibt. Ich kann diese kleinen existenziell-krisenhaften Gedanken einfach hier hinein schreiben. (Anders als bei den anderen Texten, gibt es die Lösung in Klammern mitgeliefert.)

1) Wie viele Oreo-Kekse machen ein Frühstück aus? (11)

2) Wie viele Oreo-Kekse sind zu viele Oreo-Kekse? (15)

3) Müsste ich nicht mal wieder meine Haare waschen statt Belanglosigkeiten ins Internet zu tippen? (Nein. Gilt auch für Lesende.)

4) Wenn ich die Socken gestern nur eine Stunde getragen habe, kann ich sie heute nochmal benutzen? (Ja.)

5) Ich bin über einen fotografischen Beweis gestoplert, dass ich ein Lipgloss seit fünf Jahren besitze, kann ich es trotzdem verwenden? (Ja, bisher sind keine größeren körperlichen Reaktionen wahrnehmbar. Und wenn, kommen sie von der Oreo-Überdosis.)

6) Ständig sind Essensflecken auf meinen Laken. Heißt das, ich sollte aufhören, im Bett zu essen? (Nein, einfach neue Laken kaufen.)

7) Ist es in Ordnung, dafür zu Ikea zu fahren, obwohl ich danach wieder schwören werde, es nie wieder zu tun? (Ja, aber nur, wenn man auch in der Food-Abteilung einkauft. Und Kerzen.)

8) Muss ich bis Mittag warten, um das mitgebrachte Mittagessen im Büro zu essen? (Nein, hallo, 10 Uhr morgens Lasagne.)

9) Mich traf die Erkenntnis der eigenen Vergänglichkeit, als Dylan McKay alias Luke Perry in einer Netflix-Serie auftauchte, um zirka 500 Jahre gealtert. Seitdem ist auch mein Blick in den Spiegel ein anderer, ist das normal? (Ja, ab jetzt scheiden alle Texte über die Sinnlosigkeit von Anti-Aging-Cremes aus. Die schrieben sich besser mit 25.)

10) Darf man sich einfach so ausdauernd beim Leben beschweren ohne Grund und ohne eine Lösung zu wollen? (Unbedingt, man muss sogar.)

11) Müssen Blogtexte immer Sinn machen? (Nein, nur unterhalten.)

Foto: flickr – Monique Broekhuisen – CC by 2.0

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18 Kommentare

  1. „nur unterhalten“ ist schon schwierig. Und bei deinen Texten bin ich immer unterhalten UND nachdenklich. Tip-top 🙂

  2. Oh ja, die kleinen Krisen…ich krise selbst gerade. Das Schlimme: ich hätte sogar Themen, aber irgendwie…nun ja, es ist schön, wenn man nicht ganz so allein ist.

  3. Und wie herrlich der Text unterhält – einfach nur köstlich geschrieben! Besonders herzlichen Dank für Punkt 3 – schon wieder eine halbe Stunde gespart 🙂 Die kann ich jetzt verwenden, um weiter bei Dir zu stöbern 🙂
    Liebe Grüsse
    Ariana

  4. Daniela R sagt

    Über Punkt 3, 4 und 5 habe ich in letzter Zeit auch viel nachgedacht und bin zu dem gleichen Ergebnis gekommen. Zusätzlich kann ich noch Trockenshampoo empfehlen.
    Auch Babypuder eignet sich besonders bei weißen Strähnen sehr gut und lässt eine gleichzeitig wie Marie Antoinette fühlen.

  5. Das habe ich grad gebraucht. Danke für den tollen Text, liebe Corinne. Sehr unterhaltsam. Liebe Grüße Julia

  6. Pingback: Sport- und Fitnessblogs am Sonntag, 12. März 2017

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