Leben & Lesen
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In eigener Sache – Happy Birthday, Blog

Im April wird der Blog (Korrektur: die Blog (fem.) – Danke an die aufmerksame Leserin!) ein Jahr alt. Da er aber noch nicht gegen Masern geimpft ist, kann ich mit ihm gerade nicht die coolste, hippste Megastadt der Welt auf der Suche nach inspirierenden Erlebnissen durchstreifen. Also verbringen wir beide gerade viel Zeit miteinander. Allein. Zu Hause.

Das macht nachdenklich. Als ich mit dem Bloggen anfing, habe ich ein paar schlaue Bücher E-Books & Webseiten gelesen. Ursprünglich ging es nur darum, wie man überhaupt einen Blog bekommt (WordPress? Nie gehört.). Aber keine der von mir gelesenen Anleitungen kam ohne Ausführungen zum BlogERFOLG aus. Und schwups ist Google Analytics eingebaut & man lernt, dass Monetarisieren ein Ziel ist & Nischen am Besten funktionieren. Oder auch nicht, weil Nischen keiner liest…Ich habe ein schlechtes Gedächtnis.

Nun soll das kein von-oben-herab-mir-geht-es-nur-ums-Schreiben-Text werden. Ich sitze in keiner zugigen Dachwohnung & habe nicht den Regenschirm gegen das undichte Dach aufgespannt. Meine Ohren sind auch noch dran.

Außerdem bin ich davon überzeugt, wer einen Blog hat, möchte von möglichst vielen gelesen werden. Ich auch. Was beim Bloggen hinzukommt, sind moderne Oliver Twist-Geschichten des Internets wie die vom britischen Feminismus-Blog thevagenda (Ja, sogar mit Feminismus kann man erfolgreich sein.). Da bauten zwei Studentinnen, die eine wohnte im Einbauschrank der anderen, in einem zugigen Londoner WG-Zimmer eine Seite, legten sich schlafen & als sie aufwachten, waren die ersten 10.000 Besucher gekommen & gegangen. Ein paar Tage später klingelte der Guardian für ein Interview an.

Dass es in diesem Internet auch ganz anders laufen kann, wissen wir spätestens seit dem Tweet einer amerikanischen PR-Frau über AIDS in Südafrika. Die setzte ihn ab, begab sich auf einen Langstreckenflug & hatte einige Stunden später ihr altes Leben verloren.

Offline steht der Mythos des Gefundenwerdens, das Versprechen, aus der Masse herauszuragen, hinter jeder Castingshow.

Meistens ist man aber eher die Regel als die Ausnahme. So wie dieser Blog. Er wird auch von Menschen gelesen, die nicht mit mir verschwippschwagert sind, aber Blumenlieferungen von Fremden oder eine Verlagsanfrage, ob ich nicht das nächste Shades of Grey schreiben möchte (Fyi: nur mit Fabio auf dem Cover), sind bisher nicht bei rumgekommen. Wenn es um den vielbeschworenen Blogerfolg geht, habe ich mein Blogging Mojo noch nicht ganz gefunden. (Ja, ja, googelt mal, es gibt ein Buch, das mir dabei helfen könnte.) Das liegt mit Sicherheit daran, dass ich nicht professionell genug war. Ich habe den Blog Business Plan immer noch nicht ausgefüllt & weiß nicht, was mein USP ist. Ich weiß nicht mal so richtig, worüber ich hier eigentlich schreiben will.

Als großer Fan der Negativabgrenzung kann ich leider auch ein Jahr später nur aufschreiben, was der Blog NICHT ist.

1. popkulturell-zeitgeistig Zählt der Bachelor zur Popkultur? Über den habe ich mal geschrieben. Aber mal ehrlich: Ich habe keinen Finger am Puls der Zeit sondern mehr die Hände auf der Tastatur oder im Spülwasser (meint: an der Tür des Geschirrspülers.) Deshalb warte ich auch brav, bis die dritte Staffel House of Cards irgendwo schön synchronisiert auf DVD auftaucht. (Das sind diese silbernen Scheiben.)

2. Food, DIY & Fashion Es passt kein Kamerastativ mehr in meine Küche. Den Wonder Woman Pullover habe ich offiziell aufgegeben. Um meine Kleiderwahl im Ganzen zu betrachten, muss ich auf den Hocker des Kindes vor dem Waschbecken steigen, um dann im Badspiegel einen Eindruck von mir vom Hals bis zu den Oberschenkeln zu erhaschen. Oder kürzer: Ich habe keinen Ganzkörperspiegel.

3. ernst & politisch Ich sage nicht „Ich habe keine Zeit, Nachrichten zu gucken oder Zeitung zu lesen.“ Was ja eigentlich eine Umschreibung für „Ich verbringe meine Lesezeit lieber mit youtube-Tutorials“ ist. Ich sage nur, ich muss nicht auch noch mein gefährliches Halbwissen mit euch teilen.

4. lustig Manchmal bin ich hier wahrscheinlich doch ganz witzig. Erst neulich wurde mir bescheinigt, dass ich im wirklichen Leben nicht halb so viel Humor habe. Danke dafür. Trifft aber den Kern. Humor ist eine Waffe & ein Schutzschild. Mein sentimental-watteweich-nachdenklicher Kern ist nur durch ein Molltuch geschützt. Wir können es dann benutzen, um gemeinsam hineinzuweinen.

5. ehrlich & authentisch Das hier bin ich. Und das bin ich auch nicht. Davon abgesehen, muss ICH hier auch gar nicht vorkommen. Oder anders: Wenn man mich vor die Wahl stellt: A oder B, würde ich auf dem Blog den Feueralarm auslösen. Und im Leben lange überlegen.

Foto: flickr – gizzypooh – CC by 2.0

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6 Kommentare

  1. *Besserwisser an* Es heißt ja eigentlich das Blog und nicht der… *Besserwisser aus*

    Nein, jetzt mal im Ernst: Herzlichen Glückwunsch zum ersten Jahr!

    Ich kann da nur für mich sprechen, aber ich lese Dich deshalb so gern, weil Du über so einiges nicht bloggst. Mode (oder neudeutsch Fashion), Lifestyle, Food oder andere mehr oder weniger hippe Dinge erschlagen einen doch in der Blogwelt regelrecht. Ich finde diese Themen bis auf Ausnahmen langweilig und wäre schon längst weg, wenn das Deine Hauptsache wäre. Als unpolitisch empfinde ich Dich dagegen nicht. Du greifst auf, was Dir durch Deinen (zum Glück sehr eigenen) Kopf geht, und das ist einfach selten genug, auch in der grenzenlosen Weite der Blogger-„Community“. Pfeif auf Geschäftskonzepte und Klickzahlen. Klar macht es glücklich, gelesen zu werden. Aber abhängig sollte man sich davon denn doch nicht machen.

    Weiter so!

  2. 1 Jahr ist schnell um, was? Super, dass du noch dabei bist und auch keine Anstalten machst aufzuhören (wie so viele andere). Ich lese hier nämlich sehr, sehr gerne mit (auch, wenn ich ein bisschen kommentierfaul bin) und freue mich auf ein weiteres Jahr.

    Und da es zu Geburtstagen immer Geschenke gibt, kannst du mir vielleicht das Geschenk von „Social Media Buttons“ machen? Ich meine diese kleinen bunten Knöpfchen die es einem erleichtern einen Beitrag bei Twitter und Co. zu teilen. Ganz oft denk ich nämlich: „Das muss ich weitersagen!“ Und dann fehlt der Knopf und ich ärger mich übers URL kopieren und einfügen.. Ich bin doch so faul im Internet…
    Vielleicht verhilft dir das ja sogar langfristig zu mehr „Berühmtheit“ 😉

  3. Och, vielen Dank für die lieben Kommentare!!! Schwupps sind die Share Buttons da. Das mit der Berühmtheit überlege ich mir aber noch. Wie ich schon auf Twitter schrieb, wenn ich groß bin, lerne ich die Kommaregeln & Grammatik. Schon Mark Twain wusste, deutsch ist nicht nur kompliziert sondern vollkommen unlogisch. („So ist das Mädchen neutral, während die Spitzhacke weiblich ist.“)

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