Coole Frauen, Gastbeitrag, Schönes & Banales
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Ich bin keine gute Freundin – ein Gastbeitrag

Frauenfreundschaften umgeben viele Mythen. Romane und Speicherplatz bei Netflix sind belegt mit Erzählungen von großen Lieben von Unterstützung zwischen Frauen. (Mein persönlicher Favorit ist „Grüne Tomaten“.) Nicht selten wird uns aber auch suggeriert, eine Frauenfreundschaft sei immer nur die Vorstufe zum unvermeidlichen Zickenkrieg. Meine Gastautorin Heike hat einen nachdenklichen Text zum Thema geschrieben.

Ich neige dazu, Menschen aus den kleinsten Gründen aus meinem Leben zu entfernen. Manchmal auch komplett ohne Grund. Sie nerven mich schnell, diese Menschen. Mit ihren nicht immer interessanten Geschichten und kleinen Macken. Ich bin schnell gelangweilt und wünsche mir mich allein zurück.

Ich dachte, ich wüsste, was es bedeutet, eine Freundin zu sein. Es gehört aber mehr dazu, als das, was sie uns im Kindergarten beigebracht haben. Eine gute Freundin zu sein, heißt da zu sein und das war ich oft nicht. Und ich habe Leute zurückgewiesen, die für mich da sein wollten. Wenn ich mir eine bisherigen Freundschaften ansehe, wird mir leider klar, dass die Meisten wegen mir zu Ende gegangen sind. Oft sehr langsam und nicht alle auf einmal. Aber so war es wohl.

Ich habe mich immer als sehr unabhängige Person verstanden. Mädchen in schlechten Beziehungen taten mir einfach nur leid. Und die Mädchen, die ständig jemanden mit auf Toilette nehmen müssen, habe ich genauso belächelt. Ich habe nie verstanden, wieso man es traurig finden soll, wenn jemand allein in einem Restaurant isst. Meine sozialen Fähigkeiten waren vermutlich noch nie besonders gut, aber sie wurden nicht besser, je mehr ich mich auf mich selbst konzentrierte.

Jetzt hat sich etwas geändert. Jetzt würde ich gern jemandem von dem Buch erzählen, was ich gerade lese. Ich lösche Bilder wieder, wenn sie nicht genug Likes bekommen. Ich habe zum ersten Mal das Gefühl, dass zu einem Leben Menschen gehören, mit denen ich es teilen kann. Nicht aus Konvention, sondern weil mir sonst etwas fehlt.

Eine meiner engsten Freundinnen in den letzten 5 Jahren zog weg. An der Uni war ich nie wirklich an Interaktion interessiert. Es schien mir alles sehr anstrengend. Zuhören, lachen, wenn die andere eine Reaktion erwartet, Vertrautheit vortäuschen, wenn dort am Anfang gar keine da ist. Ich habe unrealistische Erwartungen an andere. Erwartungen, die ich selbst nicht erfülle. Diese eine lebenslange Freundin muss doch beinahe perfekt sein. Oder zumindest eine Copyversion von mir sozusagen. Auf sie warte ich. Oder auf eine coole Gruppe von Freunden, wie in Friends. Menschen, die mich besser kennen, als ich mich selbst. Aber auf eine unverkrampfte, leichtfüßige Art.

In letzter Zeit habe ich viele Nachrichten verschickt, um ein paar Leute an mich zu erinnern. Ich habe mich zu Gruppen gestellt und mitgelacht. Es ist sehr mühsam. Aber ich hoffe, auf eine neue Chance, wenn ich bald die Uni verlasse. Vielleicht muss man durch holprige Anfänge, bis sich Freundschaften richtig gut anfühlen. Vielleicht ist es wie schlechtes Dating.  Ich weiß es nicht, ich weiß nur eines. Diese ganze Freundeskiste zu verstehen, scheint eine Weile zu dauern. Deshalb fange ich jetzt wohl lieber einmal damit an.

Foto: flickr – Federico Ferodi – CC by 2.0

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4 Kommentare

  1. Barbara Brockmann sagt

    Ja, ich finde das auch oft schwer. Ich kann es nicht gut, wenn auch besser als sie. Im Gegensatz zu anderen Menschen habe ich keine Freunde aus Kindertagen. Keine beste Freundin mit der ich durch dick und dünn gehe. Es gibt ein Paar, dass sich seit ich 20 bin (zur Relation: jetzt 52) zu meinen Freunden zählt und ich bin immer wieder erstaunt. Ich glaube das liegt daran, dass sie Ostwestfalen sind, hartnäckig. In den Filmen und Büchern gibt es oft diese tollen Freunde/Freundesgruppen, so vertraut, eng und unterstützend. Aber vielleicht gibt es die da nur, weil es sie in der Realität eben so selten gibt. Da wird die Sehnsucht thematisiert. Vielleicht

  2. Meike sagt

    Ich finde, das ist ein ziemlich mutiger Text. So wie man immer das Gefühl hat, dass alle davon ausgehen, dass man einen Partner und Kinder haben will, gehen nämlich auch alle davon aus, dass der Mensch (oder die Frau) doch eine Freundin braucht. Da finde ich es gut, mal zu lesen, dass jemand nichts vermisst. Insofern hätte mir der Text fast besser gefallen, wenn sie jetzt nicht suchen würde, sondern sich einfach selbst genug ist. Aber den muss ich dann wohl schreiben.

  3. Mir sagte mal jemand: „Ach, dieses Kontakte-Ding wird allgemein überschätzt. “ Hm… aber die Medien sind doch voll davon? Best friends und so?! Wie jetzt. Überall dann aber die vielen Singles und viele davon sehr einsam. Angefangen mit meiner Mutter, seit 20 Jahren Witwe und ohne beste Freundin. Ja, das mit der Zweisamkeit wird wohl etwas überbewertet. Irgendwie geht’s im Leben wohl auch ums Alleinsein.
    Was ein mutiger Text. So ehrlich und intim – wow! Dankeschön.

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