Leben & Lesen
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Hallo, ich hänge

Hallo, ihr da draußen, ich hänge ein wenig. Viel war nicht los auf dem Blog im letzten Monat und vielleicht bleibt das sogar noch ein wenig so. Ich hänge nämlich. Das ärgert mich ein bisschen und irgendwie auch nicht, weil es ein gutes Hängen ist. Ich hänge hier  nämlich ziemlich komfortabel und glücklich in meinem Leben herum und das mag ich sehr. Draußen wird es hoffentlich bald richtig schön und nachdem ich erfolgreich erklären konnte, warum wir jetzt wieder im Hellen Schlafen gehen, sind es noch schönere Tage, die uns bevorstehen, davon bin ich überzeugt.

Ich lese wieder mehr und grusele mich ein wenig, dass ich noch genau weiß, wie ich „Der Report der Magd“ von Margaret Atwood im Studium ein bisschen weit hergeholt fand und es mir jetzt erschreckend real vorkommt. Und ich überlege, ob es nur daran liegt, dass so ziemlich jeder Artikel zur Verfilmung des Buches darauf hinweist, dass es erschreckend nah an Trumps Amerika ist oder ob tatsächlich die Fiktion die Realität eingeholt hat. Mit „I Love Dick“ bin ich hingegen nicht ganz warm geworden, dafür umso mehr mit „Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte“ von Anna Basener (Groß-groß-großartig). Und „Love Warrior“ von der amerikanischen Mommybloggerin hinter Momastery fand ich auch sehr berührend. (Hier muss man allerdings über ihre religiöse Erweckung hinweglesen können.)

Ich ärgere mich, dass die Kollegin mir Schokobrownies mitbringt und dann beim Verzehr zu mir sagt: „Jetzt hasst du mich sicher, weil ich drei Stück mitgebracht habe.“ Und ich denke, warum muss Essen immer so schnell mit Schuld verbunden sein.

Ich wundere mich, dass meine Tochter neuerdings sehr viel gefragt wird, was sie denn einmal werden möchte. Ich weiß, dass es nur ein Smalltalksatz von Menschen ist, die „Oh, was spielst du denn da?“ schon zu oft gefragt haben. Und trotzdem überlege ich, wieso wir das fragen. („Hey Kind, ich will nicht zum 10. Mal sagen, wie schön du spielst und frage deshalb lieber, welche Nische du in deiner unsicheren Zukunft für dich zu finden gedenkst?“) Und dann freut man sich an den herzerfrischend-niedlichen Antworten und fragt nicht weiter nach, weil die Berufswünsche so schön kindlich-unrealistisch sind (Astronautin und so), dass sie einfach nur unser Herz erfreuen. Wobei wir doch entweder genau diese vermeintlich unrealistischen Wünsche ernst nehmen sollten. Oder gleich ehrlich sein, wenn wir von Kindern schon Realismus einfordern? („Du weißt aber, dass Tierärztin sein nicht heißt, dass man den ganzen Tag Tiere streichelt, sondern auch, dass man eventuell Bullen befruchtet und die Tiere ganz viel bluten und sterben.“) Gut, vielleicht möchte ich hier doch keinen Realismus.

Über so etwas denke ich nach. Das wären alles gute Blogtexte, aber ich schreibe sie gerade nicht auf. Ein wenig habe ich mich wohl auch erstmal leer geschrieben. Es gibt jetzt immerhin über 200 Seiten Buchmanuskript zu sonderbaren Frauenzeitschriften. Das einzig Negative am Bücherschreiben ist übrigens, dass man nicht einfach auf „veröffentlichen“ drücken kann und ich ewig (November) warten muss, bis ihr es endlich alle lesen könnt. Dabei bin ich ziemlich aufgeregt, wie ihr es finden werdet und stehe vielleicht auch deshalb ein bisschen auf Halte. Oder hänge.

Das Schöne ist aber, ich weiß, dass ich wieder schreiben werde, weil ich immer geschrieben habe. Wie andere Leute beim Gärtnern oder Kochen oder Dekorieren Dinge erschaffen, schreibe ich Wörter auf. Danke übrigens, dass ihr sie alle seit nun wirklich schon 3 Jahren mitlest (heute ist Bloggeburtstag). Ich liebe meinen kleinen Platz im Internet. Und ich habe schon vor einer ganzen Weile angefangen, den vermeintlich brillianten Blogposts nicht mehr hinterherzutrauern, die nicht entstehen, weil ein Pflaster gebraucht wird, sich eines Kuscheltieres von vor zwei Jahren erinnert wird, das doch irgendwo sein muss oder meine Lieblingsmädchen einfach nur mal wieder nach Mama rufen wollen. (Bei der Kleinen ist Mama übrigens Synonym für Essen, Trinken, Langeweile, Papa, Schwester und alles andere sowieso. Die Welt ist gerade wahlweise Mama oder Wau-Wau.) Und ehrlich, oft genug ist es auch ein Buch oder Netflix, was dem Bloggen entgegensteht. Ich weiß aber, wenn Ideen gut sind, kommen sie zurück oder bleiben gleich sehr hartnäckig da. Irgendwann werden sie dann zu Wörtern und Sätzen und stehen dann meistens hier. Und dann lesen wir uns wieder. Bis dahin, genießt den Frühling, selbst wenn er noch keiner ist.

Foto: flickr – Douglas Mills – CC by 2.0

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21 Kommentare

  1. Jule sagt

    Alles Gute zum Geburtstag! Ich mag dich und deine Wörter in diesem Internet auch sehr gern. Schreib doch einfach weiter so auf was passiert wie jetzt gerade. Das lese ich auch gern. Es müssen ja nicht immer die großen Ideen sein. 🙂

  2. Herzlichen Glückwunsch zum Bloggeburtstag! (Werfe gerade virtuelles Konfetti durch die Luft). Auftanken ist sooo wichtig und ich finde bloggen macht auch nur Spaß, wenn es absolut zwanglos ist, man sich etwas runterreden muss oder mit anderen in Kontakt treten möchte. Von daher: Hang in there.

  3. Liebe Corinne, deine Worte lese ich so gerne, dass ich darauf auch ein bißchen warte – ist man heute nicht mehr gewohnt, alles muss immer gleich und sofort gehen, aber ich finde ja, Vorfreude macht die Dinge kostbar.
    Deshalb herzlichen Glückwunsch zu deinem Blog-Jubiläum, ich bin ausgesprochen froh, dass es ihn und dich gibt 🙂 Und bald auch dein Buch!
    Liebe Grüße!
    Kea

  4. <3 Ab und zu darf man auch einfach mal hängen! Zum Beispiel in der Sonne. (Ich kann das sagen, ich hänge ja auch.)
    Ich finde es übrigens sehr schön, dass deine Tochter Astronautin werden möchte. Mein Sohn will bestimmt noch eine Weile Bauarbeiter werden. 🙂

  5. ich warte jetzt ganz sehnsüchtig auf November – in dem Monat habe ich übrigens auch Geburtstag. Guter Monat also!

    Mein Buch wird erst 2053 erscheinen, wenn es so weiter geht und ich andauernd neue Ideen habe und einen neuen „Roman“ anfange.

  6. Schön, ich gratuliere auch zum 3. Blog-Geburtstag, auch wenn ich Dich und Dein Blog noch nicht so lange verfolge, freue ich mich darauf das große Archiv zu durchwühlen und zu lesen 😉 (und auf neue Podcastfolgen!)

    • Der kommt noch 😉, leider hat es die Audiodatei entschärft, aber ich spreche nochmal einen neuen ein. Versprochen.

      • Ohje, das kenn ich. Dann drücke ich mal die Daumen, dass sich die Audiodatei einigermaßen leicht wieder herstellen lässt! Es war gar nicht so gemeint. Ich bin gut im Warten und höre einfach zu, wenn die neue Folge da ist 😉

  7. Happy Blog Birthday, liebe Corinne!
    Ich freue mich auf und über jedes Wort und jede Zeile von Dir. Manchmal muss man beides erst im Inneren formen, bevor man es nach Außen schreiben kann, so geht es mir jedenfalls. Und dann denken andere, man hänge so herum, dabei trifft es das vielleicht gar nicht so ganz… Und selbst wenn Du einfach nur so abhängst – hab‘ ganz viel Spaß dabei und auf bald!

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