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Gedankenschnipsel zu Schönheit, Männern im Wald und zu vielen Möglichkeiten

Was meistens passiert, wenn ich hier ankündige, dass es wohl in der nächsten Zeit nicht so viel von mir zu lesen geben wird, ist Folgendes: Auf einmal lauern hinter jeder Ecke Gedanken. Ich tippe sie dann zuverlässig in meinen Entwürfeordner und dort bleiben sie meistens auch. Aber, so dachte ich mir dieses Mal, das muss ja nicht immer so sein. Ich kann mir meine Blogwelt schließlich so machen, wie sie mir gefällt. (Und brauche dafür nicht einmal ein Äffchen und ein geschecktes Pferd auf der Veranda. Oder erstmal eine Veranda.) Genau deshalb gibt es jetzt einfach ein paar Gedankenschnipsel von mir. Und ihr könnt mir gern sagen, ob ihr so etwas auch gern lest. (Sind Schnipsel eigentlich das Gleiche wie Schnitze? Meine Apfelschnitze sind nämlich nicht besonders beliebt.)

Hier geht es rasend mit meinem Plan voran, die Wohnung ein wenig zu entrümpeln. Ihr wisst schon, der Plan, der damals mit dem Balkon begann. Und dann ein wenig stockte. Also, so ein paar Wochen lang. Ich habe außerdem das Talent, mir immer die richtig wichtigen Dinge auszusuchen, wenn ich aufräume. Deshalb machte ich mich als Nächstes daran, die seit Jahren ungeöffneten Schubladen mit meinen Doktorarbeitsunterlagen endlich auszusortieren und dem Altpapier zuzuführen. Das hatte null Effekt, weil ich es auf einmal wieder spannend fand, mich festlas und am Ende nur minimal Platz gewann, viel Zeit verlor und man null Komma null Ergebnis sah, weil, habe ich ja schon gesagt, die lagen eben alle schön im Schrank. Dafür habe ich wieder ein bisschen was zum Schönen und Erhabenen gelesen. Das ist eine philosophische Kategorie, über die im 18. Jahrhundert viele britische Philosophen nachgedacht haben (und Kant und Schiller auch). Die überlegten dann, warum sie ein von Nebel umfangener Berggipfel im Sturm mehr interessierte als ein Teich im Sonnenlicht und was Schönheit überhaupt ist. (Spoiler: Das Erhabene ist die coolere Kategorie von „schön“, weil sie immer auch Erfurcht auslöst und manchmal sogar ein bisschen Schrecken, Stichwort Berggipfel.) Nun ja, das war eben die Zeit vor Netflix und geteilter Familienarbeit, da konnten Männer noch ungestört nachdenken. Denn nicht nur die Mutter von Wirtschaftstheoretiker Adam Smith hat ihm immer zuverlässig sein Abendessen gekocht, damit er den Grundstein der modernen Ökonomie legen konnte. (Wo er scheibt, dass unser Essen auf den Tisch kommt, weil Bäcker, Fleischer usw. ein rationales Eigeninteresse haben, auf dem unser Wohlstand beruht. Rationales Eigeninteresse, da hätte Smith Mutter bestimmt „LOL“ nach der Lektüre gewhatsappt. Lesetipp hierzu übrigens: Who cooked Adam Smith Dinner? mit dem grauenvollen Titel der deutschen Übersetzung: Machonomics.) Und auch Henry David Thoreau konnte sich zwei Jahre in den Wald setzten, Einsiedler spielen und große Literatur verfassen, weil Mutter und Schwester ihm Essen brachten und die dreckigen Unterhosen nach dem Spielen im Matsch zuverlässig wieder sauber wuschen.

Aber ich schweife ab, eigentlich hat mich mein Wiederfinden der Texte zum „Schönen und Erhabenen“ nämlich zu der Überlegung gebracht, wie oft wir heute Schönheit einfach geradewegs mit unseren Körpern verbinden. Wenn ich jemanden frage, was er schön findet (kurzer Test hier mit 5 Probanden), bekam ich immer Körperantworten (Bauchmuskeln oder so.) Keiner sagte: „Berge, Wolken oder Regenbogen“ oder „Die Gesichter meiner Lieben.“ Obwohl der Kollege mit „den Hintern meiner Frau“ romantiktechnisch natürlich schon ziemlich weit vorn lag.

Und woran liegt das? Naja, vielleicht an Artikeln wie „5 Tricks, mit denen du dich im Bikini super fühlst“: 1. Knallfarben („Blicke auf die „richtigen“ Stellen zu lenken und ein paar Pfunde wegschummeln“, 2. Bräune schon vorher holen (kaschiert Makel), 3. Gerade halten, 4. Mini-Workout direkt vorher („Bevor es zum Strand geht, nimmst du dir zehn Minuten Zeit. Stell dir ein kleines Sportprogramm zusammen, das du easy zu Hause oder im Hotelzimmer machen kannst.Nach diesem Kurzprogramm kommen deine Muskeln sofort zur Geltung, du fühlst dich fitter, dein Körper ist fester und straffer.“). Haha, klingt total nach Urlaub, oder? Mein Lieblingstipp ist aber der Letzte: „Denk immer daran, Problemzonen gibt es nur in deinem Kopf. Selbstliebe und Respekt für den eigenen Körper sind das Allerwichtigste. Das ist leichter gesagt als getan, schon klar. Aber es geht!“ Doppel-LOL. Da hat jemand super verstanden, wie man den perfekten modernen Frauenzeitschriftsartikel schreibt („Liebe dich selbst. Aber mach es um Himmels Willen so!“)

Und weil der Sommer bald naht, poppen bei mir neuerdings auch überall diese Programme zum Abnehmen von Prominenten und Halbprominenten auf. (Ja, ich habe durch die Buchrecherche wohl meinen Suchalgorithmus versaut.) Die wollen uns alle fitter und glücklicher machen, aber irgendwie heißt fit und glücklich dann immer doch nur schlank. Deshalb geht es zum Beispiel in den Facebookvideos vom ehemaligen Popstars-Tanz-Drill-Instructor auch nie darum, dass man gern schneller laufen würde oder so, sondern nur um die viele Kleidung, die die armen Dicken nicht anziehen konnten und wie unwohl sie sich fühlten mit den Schwabbelarmen. Die guckten sich dann Fotos an und dachten: „OMG, da muss etwas passieren.“ Im Angebot hat der Ex-kleine Mädchen-Anschreier dann auch ein Programm ganz ohne Sport (Das hat die Katzenberger gemacht, „weil der Hochzeitsantrag 15 Kilo zu früh kam“.), aber dafür mit Cheat Days (also 6 Tage Diät und 1 Tag alles reinstopfen gegen das Stimmungstief). Das ist offensichtlich so gesund, dass sogar ein paar Krankenkassen die Kosten übernehmen. Da kriege ich dann schlechte Laune.

Apropo schlechte Laune. Streamingdienste machen mir neuerdings solche. In den letzten zwei Monaten habe ich 12 (in Worten zwölf) Serien angefangen und fand sie alle nicht interessant genug, um weiterzumachen. Jetzt könnte ich über die Serien meckern, aber ich habe einen anderen Verdacht. Er kam mir, als das Internet ausfiel und die Batterien der Fernbedienung leer waren, so dass ich auf einmal einen ZDF-Dreiteiler mega spannend fand. Ich habe wahrscheinlich einfach potentiell zu viel Auswahl. Eine Serie muss mich mittlerweile so richtig kriegen, weil ich ja wegen dem vermeintlichen Riesenangebot immer das Gefühl habe, es gäbe vielleicht noch etwas Besseres um die nächste virtuelle Ecke. Wenn also der Plot nicht gleich in Fahrt kommt oder eine Figur unsympathisch ist, bin ich weg. Zuviel Auswahl macht uns nämlich schnell unglücklich, Menschen können ganz gut mit so 3-5 Optionen auskommen, alles darüber ist kontraproduktiv. Wenn ich mich richtig erinnere, da gab es nämlich auch mal einen TedTalk zu.

So, das war’s erstmal. Schon ganz schön lang geworden, dabei waren das nicht mal alle Noitzen. Aber das ist ja nicht schlecht, habe ich gleich was für den nächsten Posts, wenn es euch gefallen hat.

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12 Kommentare

  1. Daniela R sagt

    Ich finde Deine Gedankenschnipsel super! Lustig und informativ. Genau die richtige Dosis nach einem langen Tag, wenn ich zu ausführlichen Gedanken nicht mehr in der Lage bin. Gerne mehr davon.

  2. Gern mehr! Kann mir sowas auch als Podcast vorstellen.. Falls du Blut geleckt hast 🙂 Liebste Grüße

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