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Ein leicht verspäteter I’m back – Post

Manchmal, in ganz schwachen Momenten fehlender Selbsterkenntnis, frage ich mich, wieso ich eigentlich während meiner Schwangerschaft oder wenigstens in der Elternzeit kein erfolgreiches Cupcake-Startup oder wenigstens einen Onlineshop hochgezogen habe. Für von Merinoschafen aus der eigenen Wolle handgeklöppelte Babydecken oder sowas in der Art. Nicht mal für ein popeliges Onlinemagazin hat es gereicht. Sogar den Blog habe ich nach der Elternzeit gestartet.

Das ist nicht nur betrüblich sondern vor allem mir selbst komplett unverständlich. Denn bereits 2012 hatte sich das Konzept des Power Maternity Leave breit gemacht. Ich hätte mich also darauf einstellen können. Nach kurzer Suche habe ich meinen damaligen Lieblingsartikel wieder gefunden. Hier findet die sich der gähnenden Langeweile der Kinderaufzucht tapfer entgegenstellende Jungmutter eine ganze Liste an guten Vorschlägen, wie sich die Zeit füllen lässt. (Randbemerkung: Eigentlich wollen wir natürlich alle wieder schnell zurück in den Job: für die Selbstverwirklichung, die Emanzipation, die Rente & die Gesellschaft.)

Neben dem eigenen Start-Up (der Klassiker), könnte man ein Instrument lernen (Was braucht man frau mit Baby? Genau, mehr Krach.). Oder wie wäre es mit einer Fremdsprache? Am Besten gleich gemeinsam mit dem Nachwuchs. Frühförderung und so.

Natürlich ist das Alles ein Kann & kein Muss mit dem Power Maternity Leave. Das wusste man bereits 2012. Manche, so resümierte Forbes vor 3 Jahren, sehen auch einfach gern nur den Augenbrauen ihres Babys beim Wachsen zu. Das ist ok. Ist schließlich ein freies Land hier.

Was es nicht gibt bei den Powermuttis, die ihre in der Berufswelt gestählten Alphaeigenschaften nun in neue Bahnen lenken, ist Schlafanzug bis 17 Uhr & Selbsttest der Limits von Trockenshampoo.

Newsflash: Sich um Kinder kümmern ist kein Kinderspiel und schon gar nicht so simpel & natürlich, dass Frauen es am Besten können & eine Menge freie Zeit dabei herausspringt. Es ist oft genug harte Arbeit. Wer das nicht anerkennt oder trivialisiert, hat einfach keine Ahnung.

Und noch wichtiger: eine Frage des Willens oder der eigenen Entscheidung (Riesenprojekt in der Schwangerschaft vs. um 7 Uhr im Bett oder Biobreichen selbst kochen vs. eigene Klamottenlinie) ist es auch nicht. Schön für Marias Mayer, die schwanger zu Yahoo gewechselt war, um Mitternacht im Büro festzustellen: “ ‘Oh, my God, it’s midnight and I have a husband and I’m, like, eight months pregnant. I need to leave!’ I was just here working, having the best possible time.“

Wie mit allem im Leben, ist auch hier nichts bei allen gleich. Und damit ich nicht wieder irgendwann dem Gedanken verfalle, wieso ich die unglaubliche Energie der Schwangerschaft nicht genutzt habe, um Großes zu vollbringen, schreibe ich jetzt einmal auf, wie es mir geht, wenn ich schwanger bin. Schlecht, kraftlos, mies. Womit ihr jetzt auch den Grund kennt, warum der Blog einige Wochen leer war & wieso es hier in Zukunft ruhiger werden kann oder eben auch nicht.

Man neigt ja zum Verdrängen & mit der Erfahrung der 2. Schwangerschaft kommt auch die Erinnerung an die erste Babyzeit wieder. Es wird vermutlich wieder nichts werden mit dem Violoncello-Solo oder dem Koreanischkurs.

Aber hey – wer sein Baby in der Durchschlafvariante geliefert bekommen hat & gerade seinen Merinoschafen die Stricknadeln in die Hand gibt, dem oder der sei fröhlich zugeworfen: „Ich freu mich ehrlich für dich“. Ich glaube nur nicht daran, dass ich mir jemals Gedanken darüber machen muss, wie ich meine Schwangerschaft sinnvoll nutze oder den Power Maternity Leave fülle.

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10 Kommentare

  1. Hui! Ich gratuliere dir ganz ganz herzlich und freue mich wirklich sehr für dich! Nimm dir die Zeit die du brauchst – wie es sich anhört, tust du das auch. Ich kann dir nur nochmal alles, alles Liebe sagen!! <3

  2. Also erst einmal alles Gute und Feine für die Schwangerschaft und die Zeit danach 🙂 Davon ab bin ich natürlich massiv enttäuscht, dass du dich auf die faule Haut zu legen gedenkst anstatt mir deiner Freizeit etwas vernünftiges anzufangen. Hoffentlich hast du wenigstens schon den Personal Trainer engagiert, damit du nicht erst Monate nach der Geburt wieder aussiehst, wie ein Mensch bzw. wie eine sexy Frau (um Bezug auf mein heutiges Thema zu nehmen :-D)

    Es ist mit Sicherheit nur eine Sache von Organisation und Willensstärke, dem Wochenfluß nach einigen Stunden Einhalt zu gebieten und die Stillbrust von der Entzündung abzuhalten. Auch dem frischen Erdenbürger kann wohl zugemutet werden, sich an die Regeln eures Haushaltes zu halten, wenn du diese nur eindringlich genug und mit logischen Argumenten versehen, vorträgst. Insofern stünde dem Gründen eines weltumspannenden Wirtschaftsimperium wirklich nichts im Wege außer deiner Faulheit und Trägheit. Bedauerlich.

    🙂

    • Ach, was habe ich deine Kommentare vermisst :-). Und gleichzeitig daran erinnert, dass ich wieder mal bei dir kommentieren muss, fleißig lesen mache ich nämlich. Aber beim Kommentieren bin ich echt faul (schon wieder!), obwohl ich mich selbst über jeden hier so freue. Noch ein Doppelstandard, den ich pflege. Jetzt kann ich’s ja auf die Hormone schieben.

      • Genau, du und deine Doppelmoral, einer der auffälligsten Charakterdefizite jeder feministischen Frau 😀
        Ich freue mich über gute Kommentare auch immer und wage zu behaupten, ich habe nur gute. Aber es ist ja nicht so, als ob ich das immer schaffen würde mit der Kommentiererei – ich gehe einfach davon aus, dass die meisten schon wissen, ich lese und mag es. 🙂

        Zweite Schwangerschaft übrigens war für mich ein Wechselbad der Gefühle, weil ich es bis zur Geburt nicht schaffte, wirklich mit Zeit und Ruhe mich dem Kind in meinem Bauch zuzuwenden – wie ich es beim ersten tag. Dieses Kind nämlich erwartete ständige Aufmerksamkeit. Auf der anderen Seite war es natürlich viel entspannter, weil ich nicht ständig Angst hatte, es passiert etwas falsches. Nun ist deine Tochter ja größer als mein Sohn damals und daher wünsche ich dir ganz inniglich, dass du auch diese Schwangerschaft genießen kannst bis zum Gehtnichtmehr!

  3. Barbara sagt

    Herzlichen Glückwunsch. Ruhen Sie sich aus. Nachher geht ja nicht mehr so einfach.

  4. Herzlichen Glückwunsch und nimm dir ruhig die Zeit, die du brauchst! Power Maternity Leave habe ich hier gerade zum ersten Mal gelesen und ich glaub, niemand hier erwartet das von dir 😉

  5. „Ich glaube nur nicht daran, dass ich mir jemals Gedanken darüber machen muss, wie ich meine Schwangerschaft sinnvoll nutze“

    Kann man glaube ich auf ganz viele Situationen übertragen. Die Zeit vor dem Studium. Die Zeit während des Studiums. Die Zeit, in der man nach dem Studium kurz arbeitslos war. Hättest du doch dieses und jenes gemacht! Alles Bullshit.

  6. Pingback: Von Schwangerschaftseinhörnern und dem Tag, an dem ich Kim Kardashian verstand | makellosmag

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