Leben & Lesen
Kommentare 8

Ein ehrliches Bewerbungsgespräch

Bewerber betritt den Raum, Hände werden geschüttelt

Personaler: Mein Gott, haben sie verschwitzte Hände.

Bewerber: Ja, ich war total panisch. Die Warterei & die ganzen Anzüge machen mich nervös.

Personaler: Deshalb haben wir sie an. Schön, dass Sie die Zeit für das Gespräch gefunden haben.

Bewerber: Kein Problem. Sie waren die Einzigen, die sich gemeldet haben. Und auf Netflix kann man ja Pause drücken.

Personaler: Was interessiert Sie besonders an der Stelle?

Bewerber: Mhm, naja, ich brauche eine. Wir müssen alle arbeiten, oder? Ich habe schließlich studiert, damit ich irgendwo gut unterkomme.

Personaler: Wie flexibel sind sie?

Bewerber: Überhaupt nicht. Aber geben Sie mir ruhig das IPhone. Ich gehe dann einfach nicht ran.

Personaler: Die erhöhte Reisetätigkeit sehen Sie nicht als Herausforderung für ihr Privatleben?

Bewerber: Ich bin ein Mann.

Personaler: Ach ja, richtig. Haben Sie schon einmal ein Projekt dieser Größe geleitet?

Bewerber: Nein, aber ich habe schon genug Unternehmensberater beobachtet. Am Anfang machen wir einfach Brainstorming mit bunten Karten & schicken die Mindmap an den Chef. Dann schreiben wir Quatsch in ein Excel & senden den Arbeitsplan. Wir setzten alles auf orange bis kurz vor der Deadline. Dann wird es rot.

Personaler: Sie werden gut zu uns passen. Wie gehen Sie mit Drucksituationen um? Sagen wir mal, sie bekommen unerwartet viele neue Aufgaben zugeteilt.

Bewerber: Ich verteile Sie per Mail an andere weiter. Die Deadline mache ich fett.

Personaler: Klasse. Welche Eigenschaften bringen Sie mit, von denen wir profitieren können?

Bewerber: Keine.

Personaler: Wunderbar, wie alle hier. Dass ihre Kollegen & Kolleginnen auch nicht qualifizierter sind sagen wir Ihnen aber nicht, damit wir Ihnen nur das Nötigste zahlen müssen.

Bewerber: Fantastisch. Das trifft sich 100% mit meiner Arbeitseinstellung. Ich mache auch nur das Nötigste.

Personaler: Perfekt! Willkommen in ihrem neuen traurigen Leben. Sie werden es genauso hassen wie ich.

Bewerber: Ich freue mich überhaupt nicht drauf.

Foto: flickr – David Blackwell – CC by 2.0

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8 Kommentare

  1. Ach, wäre das schön, würden Bewerbungsgespräche wirklich so ablaufen … am Ende wüsste jeder, woran er ist. Und statt dem mit der größten Klappe würde der mit dem größten Bemühen eingestellt werden …

  2. Katha M. sagt

    Das Tolle an deinem Blog finde ich die Abwechslung. Ich mag die nachdenklichen Sachen & freu mich über das einfach nur Witzige.

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