Leben & Lesen
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Ein ehrliches Bewerbungsgespräch

Bewerber betritt den Raum, Hände werden geschüttelt

Personaler: Mein Gott, haben sie verschwitzte Hände.

Bewerber: Ja, ich war total panisch. Die Warterei & die ganzen Anzüge machen mich nervös.

Personaler: Deshalb haben wir sie an. Schön, dass Sie die Zeit für das Gespräch gefunden haben.

Bewerber: Kein Problem. Sie waren die Einzigen, die sich gemeldet haben. Und auf Netflix kann man ja Pause drücken.

Personaler: Was interessiert Sie besonders an der Stelle?

Bewerber: Mhm, naja, ich brauche eine. Wir müssen alle arbeiten, oder? Ich habe schließlich studiert, damit ich irgendwo gut unterkomme.

Personaler: Wie flexibel sind sie?

Bewerber: Überhaupt nicht. Aber geben Sie mir ruhig das IPhone. Ich gehe dann einfach nicht ran.

Personaler: Die erhöhte Reisetätigkeit sehen Sie nicht als Herausforderung für ihr Privatleben?

Bewerber: Ich bin ein Mann.

Personaler: Ach ja, richtig. Haben Sie schon einmal ein Projekt dieser Größe geleitet?

Bewerber: Nein, aber ich habe schon genug Unternehmensberater beobachtet. Am Anfang machen wir einfach Brainstorming mit bunten Karten & schicken die Mindmap an den Chef. Dann schreiben wir Quatsch in ein Excel & senden den Arbeitsplan. Wir setzten alles auf orange bis kurz vor der Deadline. Dann wird es rot.

Personaler: Sie werden gut zu uns passen. Wie gehen Sie mit Drucksituationen um? Sagen wir mal, sie bekommen unerwartet viele neue Aufgaben zugeteilt.

Bewerber: Ich verteile Sie per Mail an andere weiter. Die Deadline mache ich fett.

Personaler: Klasse. Welche Eigenschaften bringen Sie mit, von denen wir profitieren können?

Bewerber: Keine.

Personaler: Wunderbar, wie alle hier. Dass ihre Kollegen & Kolleginnen auch nicht qualifizierter sind sagen wir Ihnen aber nicht, damit wir Ihnen nur das Nötigste zahlen müssen.

Bewerber: Fantastisch. Das trifft sich 100% mit meiner Arbeitseinstellung. Ich mache auch nur das Nötigste.

Personaler: Perfekt! Willkommen in ihrem neuen traurigen Leben. Sie werden es genauso hassen wie ich.

Bewerber: Ich freue mich überhaupt nicht drauf.

Foto: flickr – David Blackwell – CC by 2.0

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9 Kommentare

  1. Ach, wäre das schön, würden Bewerbungsgespräche wirklich so ablaufen … am Ende wüsste jeder, woran er ist. Und statt dem mit der größten Klappe würde der mit dem größten Bemühen eingestellt werden …

  2. Katha M. sagt

    Das Tolle an deinem Blog finde ich die Abwechslung. Ich mag die nachdenklichen Sachen & freu mich über das einfach nur Witzige.

      • Bettina sagt

        waaaaaaas? Frechheit!!!!!!! Iiiiiiiiich war das! nicht Marla! das war mein Bewerbungsgespräch!…..

        herrlich, ich bin gespannt, wie das bei mir nächsten Donnerstag bei meiner Bewerbung laufen wird
        wenn mir mein Gegenüber blöd kommt, denk ich einfach an diesen herrlich skurrilen Text und lache so herzlich, dass mir die Tränen kommen (wie gerade eben)

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