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Die andere Frau – eine französische Geschichte

Valerie Trierweiler ist zurzeit in allen Medien. Die Ex-Lebensgefährtin von François Hollande hat ein Buch über die gemeinsame Zeit veröffentlicht. Ich habe es nicht gelesen. Aber was ich lese, ist die Berichterstattung dazu. Trierweiler, so steht es dort, hat ein Skandalbuch geschrieben, was Mann und Präsident – wenn nicht das Amt & ganz Frankreich – in Misskredit bringt. Sie hat keine Größe bewiesen, ist auf einem persönlichen Rachefeldzug, sie hat enttäuscht. Selten ist sie die Lebensgefährtin, meistens die Geliebte, in der ZEIT  von dieser Woche schreibt Iris Radisch von ihr als verstoßener Mätresse. Trierweiler schafft es damit auf die Titelseite des Feuilleton.

Was bisher geschah…

Die Gefühlslagen & Motive von Menschen sind komplex und entziehen sich meistens einer Bewertung von außen. Ich weiß nicht, was Valerie Trierweiler bewogen hat, ein Buch zu schreiben. Als sie die Frau an seiner Seite wurde, seit 2010 waren die beiden offiziell ein Paar, blieben Hollandes Ehefrau und die 4 Kinder zurück. Sie war die andere Frau. Aber auch eine der wichtigsten politischen Journalistinnen des Landes (Die Konstellation ist uns nicht unbekannt, denken wir nur an Gerhard Schröder.). Trierweiler ist geschiedene Mutter von 3 Kindern, unabhängig & erfolgreich. Das, was man in wohlmeinenderen Profilen eine Powerfrau nennen würde. Der New York Times sagt die neue erste Frau des Landes zu Beginn der offiziellen Rolle, dass sie weiter arbeiten will: „I haven’t been raised to serve a husband,“. Aber der neue Job war ein mieser Tausch: persönliche Freiheit & eigenes Leben gibt man auf, um in Zukunft Hände zu schütteln & sich niedliche humanitäre Zwecke zu suchen, an denen man wachsen kann (gern was mit Kindern).

Die ehemalige Journalistin…und nicht mal verheiratet

Von jetzt an war sie besten Fall die ehemalige Journalistin, häufiger aber nur die Frau an Hollandes Seite, die Stütze, der Schmuck. Bereits die New York Times bemerkte im Titel des Portraits: es fehlt der Ring am Finger. Ein Makel, die ganzen 4 Jahre der Beziehung. Und ein Fakt, der sie in der Bewertung jetzt zurückwirft auf die Status der Geliebten. Nur wenn sie Glück hat ist es die zutreffende Bezeichnung Lebensgefährtin, die man wählt beim Berichten über sie. Gern wird im gleichen Atemzug erwähnt, wie schnell sie ausziehen musste aus dem Präsidentenpalast, nachdem Klatschreporter Hollande mit einer 7 Jahre jüngeren Schauspielerin entdeckt hatten. Weil sie eben nicht verheiratet waren oder nach ZEIT-Zitat Trierweiler nur die erste öffentliche Konkubine. (Der Präsident freite übrigens auf dem Motrorroller und wurde auf eben diesem vor dem Haus der Neuen fotografiert. Kein Grund zum Schmunzeln, die ZEIT lässt uns wissen: Das libertäre Sexualleben der mächtigen Männer findet in Frankreich traditionell vor aller Augen statt.) Die Häme traf Trierweiler nach dem Betrug allerorten mit ziemlicher Härte. Mitleid hebt man sich für die Ehefrauen auf. Und nicht für die, die selbst Ehen gebrochen haben. Frauen zu wechseln & dann natürlich immer eine Jüngere zu wählen, scheint man sowieso für eine ur-französische, wenn nicht ur-männliche Eigenschaft zu halten. Wieder in der ZEIT erfahren wir, dass die Architektur großbürgerlicher Pariser Wohnungen mit getrennten Schlafzimmern sich aus eben dieser Neigung zu Seitensprüngen des Hausherren begründete. Man tut hier, davon bin ich überzeugt,  sowohl den Männern als auch den Franzosen Unrecht.

Zwei auf einen Schlag

Trierweiler, die sich mit ihrem Buch mit ihrer eigenen Version der Ereignisse zurückmeldet, mag den Betrug & die Trennung hinter sich haben. Das Label Geliebte aber – und das ist bezeichnend – hat sie nicht verloren. Und so hat der Präsident in der Medienwahrnehmung auf einmal zwei: eine Ex-Geliebte und eine aktuelle. Und die Neue, bekannte Schauspielerin wiederum mit eigener Biografie & Erfolgen, ereilte nach Bekanntwerden das gleiche Schicksal wie die alte. Die Bezeichnung Geliebte macht alle vorangegangenen Leben zunichte. Definiert wird auch Julie Gayet nur über ihre amouröse Entscheidung und die Beziehung zu einem Mann. Wenn am Ende der Ehebrecherin nicht einmal die Ehe winkt (wie bei Trierweiler), dann erwartet man von ihr zumindest, dass die geschlagen abtritt. Die Geliebte eines einflussreichen Mannes zu sein ist in der allgemeinen Wahrnehmung  mit der Vorteilsnahme für die Frau verbunden. Kleopatra hat schließlich so ihr Land gerettet. Kaum wahrnehmbar, dass es heute ein Leben davor und danach geben mag, vielleicht gar ein ganz eigenes, unabhängiges, erfolgreiches. Eines, dass mit der Beziehung nicht automatisch endet. Da scheint sich tatsächlich seit den Zeiten von Madame Pompadour nicht viel geändert zu haben. Das ist nicht Tradition, sondern nur traurig.

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