Leben & Lesen
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BeinBekleidungsBeichte

Heute dachte ich, ich komme der Vorratsdatenspeicherung lieber zuvor & liefere meine Socken ans Messer. Meine Socken sind nämlich kriminell. Vielleicht liegt es an ihrer harten Kindheit im Trockner.

Wenn ich so zurückdenke, habe ich Ihnen wohl zu wenig gesagt, wie sehr ich sie liebe. Was auch immer der Grund sein mag, irgendwann sind sie alle vom Weg abgekommen. Die Bunten lieben es, meine Wäsche zu killen. 

Sie verstecken sich in den Untiefen zwischen Waschmaschine & Wäschekorb. Wann immer ich denke, die Luft ist rein, um eine Ladung Weißwäsche zu waschen, schlagen sie zu & schmuggeln sich in die Maschine. Dabei sind die Kontrollen bei mir härter als auf jedem US-Flug. Jede einzelne meiner bunten Socken hat ein unschuldiges weißes Kleidungsstück auf dem Gewissen. Sie waren alle noch so jung!

Die Feinstrümpfe sind eher so der Typ liebebedürftige Erpresser. Sie nehmen die anderen Wäschestücke in Geiselhaft & wickeln & verknoten sich mit ihnen zu undefinierbaren Textilwulsten.

Die Wollsocken fahren die Guerillataktik & verbreiten überall einen dünnen Flaum aus Fusseln, der auf den ersten Blick nicht als Protest wahrzunehmen ist. Sehr subtil, ein bisschen wie Guerilla Gardening.

Die schwarzen Socken sind die Ausbruchskünstler. Auf magische Weise verschwinden sie…egal wie fest man die Tür der Waschmaschine verschlossen hat. Als einsame Wölfe unter den Schwerverbrechern planen sie ihre Flucht allein & lassen ihre Partner ohne einen Blick zurück hinter sich.

Von Zeit zu Zeit kommen Selbstzweifel in mir auf. Wovor laufen sie weg? Waren sie nicht glücklich mit mir? Liegt es gar an…meinen Füßen?

Ich weiß es nicht. Aber in melancholischen Momenten, in denen ich – mit meditativem Blick auf das Spiel der Trommel mit Waschpulver & Wasser – ihrem Schicksal nachsinne, hoffe ich, dass sie alle nun ein besseres Leben führen. Vielleicht sitzen sie irgendwo auf einem Wäscheberg oder einer kleinen Unterwäscheinsel & erzählen sich Geschichten aus alten Tagen.

Vielleicht zusammen mit deinen Socken.

*Geschrieben unter dem Eindruck der Wochenendwäscheberge.*

Foto: flickr – Kristine Epp – CC by 2.0

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4 Kommentare

  1. Meike sagt

    Ich halte die einzelnen Socken bei mir in eine rgroßen Schublade in Geiselhaft, in der Hoffnung, dass sich der Partner nochmal besinnt und zurückkommt 🙂

  2. vermutlich ist DAS der Grund, warum ich mich von meinen Socken getrennt habe. Wir haben uns einfach auseinander gelebt. Nur ab und zu gönne ich mir eine kurze Liaison, die nur einen Sommer hält

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