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Barfuß ins Glück mit Til Schweiger

Manchmal wird man vom Leben ziemlich überrascht. Dass mir Til Schweiger mal Decken aus Alpacawolle & die richtige Bratpfanne verkaufen würde zum Beispiel, das hätte ich nicht gedacht. Tut er aber. Natürlich nicht an der Haustür, sondern in diesem Internet.

Warum? Tja, das fragt ihr euch auch, oder? Weil wir alle eben nicht wussten, dass Til „schon seit Jahren nach Lieblingsstücken sucht, die in seinen Häusern Platz finden“. Ich weiß, ich hätte auch gedacht, die Stoffauswahl für den Midlife-Porsche ist das höchste der Gefühle. Ist aber nicht so. Jetzt war ich natürlich neugierig. Und habe mir das mal angesehen.

Das gute Leben  

Es geht um „Inspiration und Produkte aus meinen Filmen und Häusern.“ Ja, ein Fan des Understatements war er noch nie der Til. Und sicher wird die Website zu dem ein oder anderen neuen Haus beitragen, dass sich dann mit noch tolleren, noch neueren Inspirationen füllen lässt. Barefoot Living heißt der Shop/Lifestyleblog/Lebensratgeber. Barfuß durchs Leben also, die Frauen im Filmchen zur Seite sind nicht nur das sondern tragen auch keine Hosen unter ihren übergroßen Wollpullovern. Ganz echt, ganz natürlich. Oder real, wie vielleicht der Til sagen würde.

Das ist es also, das gute Leben: Cruisen auf Malle, Finka in Erdtönen, spontanes Bad im Pool (verrückt, komplett mit Wollpulli), abends Wein & gutes Essen, die blondgelockten Kinder mittendrin.

Ja,ja der Neid schwingt schon mit – einmal Star müsste man sein.

Endlich ein tolles Messerbrett!

Die gute Nachricht ist: Das können wir! Zumindest uns fühlen wie einer. Kostet halt ein bisschen Geld.

Was findet man so? Gaaanz tolle Produkte – bisschen arty, bisschen Landhaus, bisschen Bohème. Halt so Sachen, wo man immer nur im Kontext (Wohnung des Hedgefondsmanagers oder Studenten-WG) weiß, ob sie richtig teuer waren oder vom Flohmarkt. Alle mit ein bisschen Feenstaub besprüht (Langlebigkeit, Qualität, Entschleunigung, limitiert).

Für wen ist das  gedacht? Für alle, die morgens aufwachen & denken „Endlich ein tolles Messerbrett.“ (99 €) Der Til ist hier das Testimonial, nur seine „absoluten Lieblingsdecken“ (99 €) und Batamdosen aus dem Selbstversuch (39€ für den Zweierpack) schaffen es durch die knallharte Auswahl. In den unscheinbar grauen Gefäßen versteckt der Schelm „alles, was bunte Verpackungen hat.“

Aber nicht nur Til steht voll hinter den Produkten. Wir lernen auch die Menschen kennen, durch deren Hände sie gingen. Wie den Tischler Stefan, der aus Treibholz Küchenutensilien (99 €) formt wie Gott den Menschen am sechsten Tag.

Hinter jedem wunderbaren Pinterest-instagrammigen-Weichzeichner-Foto schlummert zusätzlich noch ein Kleinod der Lebensweisheit. Im Shop, in der Rubrik Küche, der Tisch Iron Vintage (3.300 €). Der ist, man hätte es fast vermutet, „genial für die Küche“! Oder „Für mich ist ein Lieblings-Kaffeebecher (49 €) mindestens so wichtig wie der gute Kaffee, der da drin ist.“ Für solche Einblicke braucht man sonst die BUNTE. Und jetzt kann man noch selbst draus trinken!

Alles hangetöpfert, mundgeblasen, selbstgeklöppelt. Alles atmet & lässt zur Ruhe kommen. Der Griff nach der Kochzange ersetzt quasi die Yogaausbildung. Aber hey, es geht nicht um die Masse oder den Preis, denn „Dazu gehört auch, dass weniger oft mehr ist.“ Auch die mit dem ganz kleinen Budget dürfen mitmachen. Mit einem Bilderrahmen (29€) in dem „sieht jeder aus, als wäre er im Urlaub.“

Ein kleiner Schritt für Til, aber ein großer Schritt für alle Frauen

Da müsst ihr jetzt alle gar nicht schmunzeln. So ein bisschen amerikanisiert war der Til ja schon immer (think big und so). Und über dem großen Teich gehört man ohne den eigenen Duftkerzen-Badezusatz-rein biologischer Kloreiniger-Shop schon gar nicht mehr dazu. Gwyneth Paltrow macht damit mehr Umsatz als mit ihren Filmen. Ist also nur folgerichtig, als größter lebender Filmstar & Produzent Deutschlands.

Und dann ist mir noch was aufgefallen. Der Til, das gestandene Mannsbild, das Alphatier, der echte Kerl, der sagt Handtücher…“sind vorgewaschen und fühlen sich dadurch gleich richtig gut an.“ Oder „Es geht nichts über eine ordentliche Pfanne.“ Und die kleinere Dose „ist gut für Zucker, Haferflocken, kleine Nudeln,…“

Küche, Deko, Bettwäsche verkauft der Til, ganz authentisch, ganz ohne Ironie. Damit katapultiert er doch die Emanzipation aus der Steinzeit ins 21. Jahrhundert. Und schämt sich auch nicht bei Duftkerzen: „Die ist richtig groß und reicht für viele Stunden. Ich habe sie in den USA entdeckt. Das natürliche Wachs riecht ganz mild nach frischer Wäsche und Vanille… Macht süchtig!“ Das ist ein Mann, der sich traut, seine weiche Seite zu zeigen. Vergessen, dass kaum einer über 4 Wochen Elternzeit nimmt, hier entsteht das neue Männerbild. Da kann doch in Zukunft jede Frau zu Hause mit gutem Gewissen sagen: „Hör mal zu, wenn sich der Til mit Pfannen auskennt, dann kannst du auch mal den Spüler ausräumen.“

Deshalb wird hier mal gar nicht gelacht sondern Anerkennung gezollt. Die ganzen Hater, die dem Til seinen Erfolg nicht gönnen und seine großen Visionen verkennen, die können ihn nämlich alle mal gern haben. Der wollte nämlich noch nie sein wie die anderen Männer.

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