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Der neue Bachelor hat noch mehr Bauchmuskeln als alle vor ihm

Jetzt hätte ich doch beinahe den Start der neuen Bachelor – Staffel heute Abend verpasst. Kurzer Suchmaschinenausflug (Wer ist denn der suchende Herr?). Aha, RTL hat es nochmals geschafft, die Langweiligkeit des Kandidaten zu steigern. Die wird natürlich von mir ganz subjektiv so empfunden & verhält sich proportional zur konventionell-gepredigten Attraktivität à la Mens Health & GQ. Will meinen, je mehr Bauchmuskeln & Justin Bieber Haare, desto langweiliger wirkt der Traumann im Gesamtpaket. In den vorangegangenen Staffeln tat man – mit abnehmender Tendenz – noch so,  als würde man ein wahnsinnig erfolgreiches Alphatier, also mindest einen Halbmillionär, verkuppeln. (Denn wie sonst sollte man Erfolg bei Männern messen?)

2003 fragten sich noch alle, ob die Villa, in der gedreht wurde, dem Bachelor tatsächlich gehörte. Der arbeitete immerhin in einer Bank. Spätestens die Neuauflage fast 10 Jahre später führte aber mit Barcardi-Paule, Mitglied einer Drückerkolonne in der Getränkevermarktung & Teilzeitmodel, den konsequenten Fokus auf die Optik ein.  Bei Paul verschleierte RTL noch gekonnt, ob er bei Mutti auf der Couch oder doch im eigenen 5qm Apartment in Hamburg wohnt. Sein Nachfolger Jan war in den ersten Presse-Statements noch Rechtsanwalt. Um dann doch zum Vollzeitmodel zu mutieren. Immerhin mit eigenem Haus. Was sich bei genauerer Betrachtung als baufällige Variante im Wald (mit semi-intakter Zufahrtsstraße) entpuppte, die der gestählte Herr in Eigenregie renovierte. (Bei einer auf die Staffel folgenden Perfekten Dinner – Folge des Schwesternsenders VOX konnte man die ersten beiden fertiggestellten Räume bestaunen.) Einen kleinen Knick gab es dann bei Christian, der überhaupt kein Model war, sondern Unternehmer. Man möchte anmerken, wahrscheinlich kein besonders erfolgreicher. Denn er versucht, 2014 ein entspannendes Dosengetränk zu vermarkten. Quasi der Gegenpol zum Red-Bull-Hype der 90er, der auch schon fast 20 Jahre vorbei ist. Tatsächlich wirkte diese Staffel etwas lustlos. Wie der Bachelor selbst, der ja eigentlich nur wegen der Eigenwerbung da war.

Mit dem jetztigen Kandidaten Oliver findet man endlich zu alter Form zurück & setzt der Objektfixierung den Höhepunkt auf.

Das tägliche Training zum Broterwerb umgedichtet.

Oliver ist ehemaliger Mister Germany mit schöner hässliches Entlein-schöner Schwan-Abnehmstory. (Ich war ein dickes Kind.) Da er die Täler der Unattraktivität (=Körperfülle) selbst durchschritten hat, glauben wir ihm auch, dass die potenzielle Partnerin lieber ehrlich & hurmorvoll sein soll als 90-60-90. (Aber so ein bisschen sportlich sollte sie schon sein, fügt Oliver noch schnell hinzu, schließlich füllt der Tanz um den Körper seine Tage. Und dann hätte man doch sehr wenig gemeinsam.) RTL gibt in diesem Zusammenhang ( & wegen dem großen journalistischen Interesse) erstmals auch gleich noch vor Start die Maße durch (1,94m, 90 Kilo).

Achso, jobtechnisch ist unser Oliver selbstständiger Fitnessökonom. Man hat ihm also das tägliche Training zum Broterwerb umgedichtet. Das ist alles ganz wunderbar. RTL geht mit der Zeit & hat sich vom alten Rollenbild erfolgreicher Mann-attraktive Frau verabschiedet. In der neuen Zeit werden konsequent alle, Männlein wie Weiblich, rein auf die Optik reduziert. Bauchmuskeln für alle statt Bausparvertrag. Modern Times. 

Ehrlicherweise geht es beim Bachelor natürlich schon lange nicht mehr um den Bachelor selbst. Oder die Frage, ob die Partnersuche erfolgreich ist. (Die durchschnittliche Beziehungsdauer unterschreitet mittlerweile sogar die Zeit zwischen Drehschluss & Ausstrahlung, so dass man bei den Wiedersehen-Sendungen bereits die Trennung bekannt geben kann.) Es geht natürlich um die Kandidatinnen & den Kampf um den Mann. Den evolutionär-bedingten Zickenkrieg. Ihr kennt das.

Auch eine kurzhaarige Frau soll darunter sein.

Auch hier hat man ganz progressive Damen gefunden, die sich nur noch für die Optik schlagen. Schließlich wissen sie, dass die Villa nur gemietet ist. Ok, in den USA fand man Teilnehmerinnen für eine Datingshow, die glaubten, dass Prinz Harry (der aus UK) im amerikanischen Pay-TV eine Frau sucht (das Format trug den klangvollen Namen „I wanna marry Harry“). Vielleicht winkt auch ein klitzekleines bisschen die mediale Eigenkarriere. (Gleichberechtigung! Berufstätigkeit!) Aber modern sind die Frauen & die Caster bei RTL auf jeden Fall: Es soll sogar ein kurzhaariges Exemplar dabei sein.

Ach, das wird ein Fest heute Abend.

Wer auch schaut, kann gleich noch beim Bullshit-Bingo mitmachen.

Bachelor Bullshit Bingo

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