Promis & Diäten, Schönes & Banales
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Uns ist das egal, aber die Fans machen sich Sorgen

Das BUNTE-Debakel um die Abstimmung zum Gewicht der 3jährigen Harper Beckham & die anschließende Rechtfertigung fand ich auch deswegen interessant, weil die BUNTE selbst so gern auf die Diskussion hinwies, die „in den Medien“ gerade stattfindet. Als hätte man als Blatt mit der Ursache nichts zu tun, sondern würde nur etwas kommentieren, was sowieso schon existiert.

Also, wir berichten ja nur…

Das ist eine Verhaltensweise, die mir auch bei anderen Promimagazinen immer wieder auffällt.  Dem Leser wird suggeriert: Wir beobachten und kommentieren nur. Eigentlich stehen wir außen vor. Damit stellt man eine Distanz her, die einen schönen reinwaschenden Effekt hat. So kann nämlich viel einfacher über Gewicht (hoch/runter), Klamotten oder Lebensführung geurteilt werden. Praktischerweise kommen die Äußerungen, für die man kritisiert werden könnte nämlich nicht von einem selbst. Und als berichtende Instanz ist es quasi erste Bürgerpflicht diese weiter zu verbreiten.

…was auf Facebook steht.

Ganz so einfach ist es natürlich auch wieder nicht. Man benötigt nämlich jemanden, den man zitieren kann. Promigeschichten brauchen ja immer eine Quelle und wenn es nur der vielbeschworene Insider ist.

Wie schön, dass es die ominöse Gruppe der Fans & soziale Medien gibt. Mit Hilfe von Kommentaren auf Facebook oder Instagramm lassen sich ansonsten unschreibbare Dinge wie „Du siehst bescheuert aus.“ in einen Artikel einarbeiten. Abfällige Kommentare  sind dann als Shitstorm berichtenswert. Denn die „Fans liefern sich eine rege Debatte“, über die berichtet werden muss. Oder – auch gern genommen – der Klassiker: „Die Fans machen sich Sorgen.“ (bevorzugt über Gewichtsverlust oder den Seelenzustand vernachlässigter Starkinder). Geheuchelte Anteilnahme und genauso ein Feigenblattsatz wie das unvermeidliche „Nötig hatte sie das aber nicht.“ unter einem Bericht über eine gelungene Diät.

Wieso mich das ärgert

Zuerst könnte man natürlich vortrefflich darüber streiten, ob die Bezeichnung FANS bei Menschen zutreffend ist, die sich abfällig über andere äußern. Warum heißen die nicht Kommentatoren? Klar, um Unmittelbarkeit herzustellen und dem Ganzen zu noch mehr Echtheitsappeal zu verhelfen. Es sind eben nicht irgendwelche Leute sondern die Fans. Das gibt nochmal Punkte auf der „Müssen wir unbedingt berichten.“ – Skala.

Nichts zu streiten gibt es aber darüber, dass so verletzenden Kommentaren eine noch breitere Bühne gegeben wird. Man reproduziert fleißig eine Umgangskultur, die mehr als kritikwürdig ist. Und der eine oder andere setzt vielleicht beim nächsten Mal auch einfach das, was ihm durch dem Kopf geht unreflektiert unter ein Foto.

Nicht zuletzt verbreiten sich Stereotype immer schön weiter und gewinnen eine zusätzliche normative Qualität.  Das Promimagazin promotet die nicht enden wollende Beschäftigung mit dem Körper – das wirkt auf die Leser, die sie dann mit Blick auf die Promis referieren. Das Promimagazin ist fein raus und berichtet nur über die Meinung der Leute…da draußen…im Netz…

Ja, ja, ich weiß – die Prominenten stellen die Fotos selbst ein. Aber wer sind wir, über die Motivation zu urteilen (Die wollen ja die Aufmerksamkeit. Damit verdienen sie ihr Geld. Die haben sich mit der BILD ins Bett gelegt.)? Oder festzulegen, dass jeder, der sich in die Öffentlichkeit begibt immun gegen Anfeindungen zu sein hat?

Vielleicht hat es auch mit Promiseiten an sich zu tun – mit dem Druck schnell viel Neues produzieren zu müssen. Man kann sicher eine schnelle Schlagzahl allein dadurch erreichen, dass man  Promiaccounts beobachtet und immer wieder auf die gleiche Art Artikel baut.

Aber nur weil man nachvollziehbare Zwänge findet, wieso etwas vermeintlich so ist wie es ist, heißt das ja nicht, dass man nicht kritisieren darf.

Am Besten kann man natürlich auf das alte Totschlagargument verweisen, dass wir alle diese Seiten einfach nicht mehr konsumieren sollen. Dann erledigt sich das schon von selbst.

Abgesehen davon, dass dies ein super Argument ist, um jede Kritik obsolet zu machen und ich nicht daran glaube, mache ich einen kleinen Schritt in die Richtung und verlinke bewusst nicht auf ein paar Beispiele. Jeder kann sich schnell noch ein paar neue ergoogeln.

Aktuell…

…macht man sich Sorgen ums Gewicht. 

 

siegl

 

…ganz gefährliche Schönheits-OPs (Ob es eine war, wissen wir aber nicht so genau.)

 

Kim Gloss

 

und Hände, die auf Fotos falsch platziert sind. 

Sarah

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